Croffle: wie ein Croissant aus dem Waffeleisen über Seoul zum Café-Trend wurde

CAFÉ-TREND AUS SEOUL

Erfunden wurde er nicht in Korea, berühmt aber dort: Ein Croissant, das zwischen heißen Gitterplatten zur knusprigen Waffel wird, eroberte erst Seouls Cafés und dann Bäckereien von New York bis Singapur.

21. Oktober 2026

Croffle: wie ein Croissant aus dem Waffeleisen über Seoul zum Café-Trend wurde

Ein rohes Croissant, ein Waffeleisen und wenige Minuten Hitze: Aus diesem einfachen Griff wurde in Seoul ein Café-Klassiker, und von dort aus wanderte er nach New York, Singapur und schließlich auch zu uns.


Der Croffle ist ein Croissant, das zwischen den heißen Platten eines Waffeleisens backt. Das Gitter presst den rohen Teig an vielen Stellen flach, dazwischen geht er auf, und außen entsteht eine knusprige, oft karamellisierte Kruste mit Waffelmuster. Der Name setzt sich aus Croissant und dem englischen Wort waffle zusammen.

Erfunden wurde der Croffle nicht in Korea. Groß wurde er aber dort, in den Cafés von Seoul und in den Küchen des Jahres 2020. Seitdem trägt er fast alles, was sich auf ein Gebäck häufen lässt: Matcha-Creme, Erdbeeren mit Sahne, Karamell mit Macadamia, aber auch Käsesauce mit Speck oder Champignons in Rahmsauce.


Was im Waffeleisen mit dem Croissant passiert

Am Anfang steht ein Dreieck aus rohem Croissantteig, das zu einem Hörnchen aufgerollt wird. Statt auf ein Blech kommt es in ein heißes Waffeleisen, meist eines mit tiefem, grobem Gitter. Wenn sich der Deckel schließt, drücken die Stege den Teig an vielen Punkten zusammen. Dort berührt er das heiße Metall, wird goldbraun und fest. In den Feldern dazwischen hat er Platz, und weil Croissantteig gelockert ist, geht er dort noch auf.

So entsteht ein Gebäck mit zwei Gesichtern. Außen wechseln sich harte, gebräunte Felder und helle Kanten ab, an denen die feinen Teigschichten sichtbar bleiben. Innen bleibt es weich und blättrig. Viele Cafés wälzen das Croissant vor dem Backen in Zucker. Der Zucker schmilzt auf den heißen Platten und wird zu glänzendem Karamell, das beim Abkühlen hart wird wie die Kruste einer Crème brûlée.

Das Gitter hat noch eine zweite Aufgabe. Wie bei jeder Waffel bleiben Saucen, Cremes und Sirup in den Vertiefungen stehen, statt vom Gebäck zu laufen. Damit wird der Croffle zur Unterlage für Beläge, die auf einem gewöhnlichen Croissant abrutschen würden.

Croffle mit glänzender Karamellsauce und ganzen Macadamianüssen auf einem Kuchengitter, oben rechts ein Croffle ohne Belag mit goldbraunen Waffelfeldern
Karamell mit ganzen Macadamianüssen sammelt sich in den Feldern des Gitters – oben rechts ein Croffle ohne Belag, an dessen Rändern die Teigschichten zu sehen sind.

New York, Dublin, Seoul: wer den Croffle erfunden hat

Die früheste bekannte Spur führt nach New York. Im Dezember 2015 zeigte ein amerikanisches Food-Magazin in einem Video, wie man fertigen Blätterteig in ein Waffeleisen legt, und nannte das Ergebnis Croffle. Mehr Aufmerksamkeit bekam der Croffle zwei Jahre später in Dublin. Im Juli 2017 stand er im Mittelpunkt eines zweiwöchigen Pop-up-Cafés in der Camden Street, entwickelt von der irischen Konditorin und Fernsehköchin Louise Lennox zusammen mit einer großen irischen Bäckereikette. Häufig wird sie deshalb als Erfinderin genannt.

Lennox‘ eigener Croffle war übrigens herzhaft. Sie füllte ihn mit Avocado, halbgetrockneten Tomaten und einer Creme aus Feta und streute geröstete Haselnüsse darüber. Daneben gab es Croffles mit Hähnchen und Bratensauce, mit Pulled Pork und Apfel-Krautsalat und als süße Fassung mit Zitronen-Käsekuchen oder mit Nuss-Nougat-Creme und Banane.

Nach Seoul kam der Croffle im November 2018. Ein Café im Bezirk Seongdong nahm ihn auf die Karte, koreanische Medien nennen es das erste im Land. Serviert wurde er dort frisch gebacken, mit Zimt bestäubt und mit einer Kugel Vanilleeis. Im Laufe des Jahres 2019 tauchte er in immer mehr Cafés und an Straßenständen der Stadt auf.


2020: das Jahr, in dem Korea das Waffeleisen entdeckte

Den Durchbruch brachte die Pandemie. Als Cafés schlossen oder leer blieben, holten viele Menschen in Südkorea das Café nach Hause. Koreanische Medien sprachen von „Home Café“: selbst gemachte Getränke und Süßes, fotografiert und in sozialen Netzwerken geteilt. Zur gleichen Zeit wie der Croffle verbreitete sich der aufgeschlagene Dalgona-Kaffee.

Das Waffeleisen wurde dabei zum Lieblingsgerät. Gepresst wurde darin fast alles, was flach werden kann: Toastbrot, geriebene Kartoffeln, angebrannter Reis, Reiskuchen. Der Croffle passte perfekt in diese Welle, denn er braucht nur zwei Dinge, tiefgekühlten rohen Croissantteig und ein Waffeleisen. Ein großer koreanischer Online-Lebensmittelhändler nahm 2020 rohen Croissantteig ins Sortiment. In der zweiten Hälfte des Jahres 2022 verkaufte er davon laut koreanischen Medienberichten 500 bis 600 Packungen am Tag, in zehn Sorten.

Auch die Ketten zogen nach. Im Dezember 2020 stellte eine der großen koreanischen Kaffeeketten drei Croffles in ihr Wintersortiment: pur, mit Cheddar und mit Eis. Für Cafés ist das Gebäck ideal. Der Teig lässt sich tiefgekühlt lagern, ein Croffle backt in wenigen Minuten frisch, und das Gitter sieht auf jedem Foto gut aus.


Wie der Croffle um die Welt kam

Aus Korea reiste der Croffle zurück in die USA, diesmal als koreanischer Trend. Ab 2020 tauchte er in Flushing im New Yorker Stadtteil Queens und in Koreatown in Los Angeles auf. In Flushing eröffnete eine Bäckerei, deren Konditor das Croffle-Backen 2019 bei Freunden in Seoul gelernt hatte. Neben Erdbeeren und Heidelbeeren gab es dort koreanische Beläge: Ang-Butter, also süße rote Bohnenpaste mit Butter, und eine Mousse aus Süßkartoffel.

Inzwischen gibt es Croffles in Singapur, Thailand, Hongkong, Kanada und Indonesien. Auch hierzulande bieten Cafés und Imbissstände Croffles an. Und wie bei jedem Trend, der aus einem Gerät kommt, findet sich zu Hause schnell die nächste Variante: Croffles am Stiel, Mini-Croffles aus halben Dreiecken, Croffles aus Blätterteig.


Matcha, Erdbeere, Karamell: die süßen Croffles

Für süße Croffles gibt es zwei Grundformen. Bei der einen ist das Gebäck schon in Zucker gewälzt und glänzt nach dem Backen wie ein Karamellbonbon. Dann reicht wenig obendrauf, oft nur eine Kugel Eis. Bei der anderen bleibt der Croffle hell und matt, bekommt höchstens Puderzucker, und der Belag macht das Dessert.

Typisch für die zweite Form ist geschlagene Sahne. Mit gewürfelten Erdbeeren und roter Fruchtsauce, mit Heidelbeeren unter Puderzucker oder mit Banane, Schokoladencreme und Mandelblättchen wird ein Croffle zum kleinen Törtchen. Grüne Matcha-Creme wird in Schlangenlinien aufgespritzt, zwischen denen das Waffelmuster sichtbar bleibt. Karamellsauce mit ganzen Macadamianüssen läuft in die Felder des Gitters und hält dort.

In Korea beliebt ist außerdem norwegischer Braunkäse. Er wird hauchfein über den warmen Croffle gerieben, oft zusammen mit Vanilleeis. Der Käse aus eingekochter Molke schmeckt süßlich und nach Karamell und passt deshalb zu Gebäck, das selbst schon karamellisiert ist.

Croffle mit Schlagsahne, vier mit Puderzucker bestäubten Heidelbeeren und einem Rosmarinzweig auf einem Kuchengitter, darum weitere Croffles mit verschiedenen Belägen
Heller Croffle unter Puderzucker, darauf geschlagene Sahne und Heidelbeeren – der Rosmarinzweig ist Deko.

Käsesauce, Speck, Champignons: herzhafte Croffles

In Seoul überwiegen süße Croffles, doch schon die Kaffeekette hatte einen mit Cheddar im Sortiment, und in Dublin war der Croffle von Anfang an auch herzhaft. Für herzhafte Beläge wird das Croissant nicht in Zucker gewälzt. Es bleibt hell und schmeckt nach Butter und Teig.

Auf den Croffle kommen dann Saucen, die auf einem flachen Brot weglaufen würden. Eine gelbe Käsesauce im Gittermuster aufgespritzt, dazu knusprige Speckstücke, ergibt einen kleinen Imbiss. Champignons in heller Rahmsauce machen aus dem Croffle etwas wie ein Ragout auf Blätterteig, nur knuspriger. Beliebt sind außerdem Füllungen mit Schinken und Käse, die vor dem Backen in das Croissant gerollt werden, und Croffles als Brot für ein Sandwich.

Ein besonderes Eisen braucht der herzhafte Croffle nicht. Vom süßen unterscheiden ihn der fehlende Zucker und der Belag.

Croffles mit verschiedenen Belägen auf einem Kuchengitter, in der Mitte mit Sahne, Erdbeerstücken und roter Sauce
Mitten im Bild Sahne mit Erdbeeren, oben Käsesauce im Gittermuster mit Speck, links unten Champignons in Rahmsauce.

Nach dem Croffle: Croissants unter Druck

In Korea ging die Suche nach dem nächsten Croissant-Trend weiter, und zwar mit demselben Prinzip: Der Teig wird zusammengepresst. Ende 2022 zeigte eine koreanische Rezeptplattform ein Croissant, das flach gedrückt und knusprig gebacken wird, bis es an Nurungji erinnert, die knusprige Reiskruste vom Topfboden. Das Video wurde rund 1,5 Millionen Mal angesehen, und der koreanische Name des Gebäcks verbindet beide Wörter.

Kurz danach kam Croissantteig in das Eisen für Bungeoppang, die fischförmigen Waffeln der koreanischen Straßenküche, gefüllt mit Vanillecreme oder Maronenmus. Die Idee bleibt die gleiche wie beim Croffle: ein bekannter Teig, ein Eisen mit Form und wenige Minuten Hitze. Wie aus einem flüssigen Teig in einem Eisen voller Halbkugeln eine Waffel wird, zeigt die Bubble Waffle aus Hongkong.


Und zu Hause?

Unter den Café-Trends ist der Croffle einer der wenigen, die sich zu Hause fast eins zu eins nachbacken lassen. Rohen Croissantteig gibt es im Kühlregal, oft in Packungen mit sechs vorgeschnittenen Dreiecken. Ein Waffeleisen mit tiefem Gitter steht in vielen Küchen. Cafés arbeiten mit schweren Profigeräten und oft mit tiefgekühltem Teig. Zu Hause braucht es deshalb etwas Probieren, bis Hitze und Zeit zum eigenen Eisen passen.

Zwei Dinge entscheiden über das Ergebnis. Der Teig sollte kalt ins Eisen kommen, sonst verschmieren die Schichten. Und der fertige Croffle kühlt auf einem Kuchengitter ab, wo der Dampf entweichen kann und die Kruste hart wird. Wie das mit Zucker, Blätterteig oder herzhaft gelingt und wie das Mandelkaramell dazu gekocht wird, steht im Rezept Croissant-Waffeln mit Mandelkaramell (Croffles).


Häufige Fragen zum Croffle

Woher kommt der Croffle?

Die früheste bekannte Spur ist ein Video eines amerikanischen Food-Magazins aus New York vom Dezember 2015. Größere Aufmerksamkeit bekam er 2017 durch ein Pop-up-Café in Dublin mit der Konditorin Louise Lennox. Zum Trend wurde der Croffle ab 2018 in Seoul und weltweit ab 2020.

Was bedeutet Croffle?

Croffle ist ein Kofferwort aus Croissant und dem englischen waffle, Waffel. Gemeint ist ein Croissant aus rohem Teig, das im Waffeleisen statt im Ofen gebacken wird.

Ist ein Croffle süß oder herzhaft?

Beides. In koreanischen Cafés überwiegen süße Croffles mit Zuckerkruste, Eis, Sahne oder Früchten. Für die herzhafte Fassung wird das Croissant nicht in Zucker gewälzt und danach mit Käse, Schinken, Speck oder Pilzen belegt, so wie schon 2017 in Dublin.

Wie schmeckt ein Croffle?

Außen knusprig wie eine Waffel, an den gerösteten Stellen nussig und mit Zuckerkruste nach Karamell. Innen bleibt er weich und buttrig wie ein Croissant, nur kompakter, weil das Gitter den Teig zusammendrückt.


Rezepte zum Weiterlesen

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Haselnüsse, Kakao und Puderzucker – die Creme für den Croffle mit Banane und Mandelblättchen.

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Ganze Macadamianüsse als Krone auf weichem Schokoladen-Fudge.

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Gebratene Pfifferlinge mit Käse-Sahne-Guss auf Mürbeteig – herzhaft wie der Croffle mit Champignons.

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Blätterteig aus dem Kühlregal mit Speck, knusprig aus dem Ofen.

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Der aufgeschlagene Kaffee, der 2020 mit dem Croffle durch die koreanischen Küchen ging.

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Croissant-Auflauf mit Vanillesauce10

Croissant-Auflauf mit Vanillesauce

Für Croissants vom Vortag, gebacken in Eiermilch und serviert mit Vanillesauce.

Zum Rezept

Welcher Croffle käme bei Ihnen auf den Teller – süß mit Karamell und Macadamia oder herzhaft mit Käsesauce und Speck? Schreiben Sie gern in die Kommentare, welchen Belag Sie probieren würden und ob ein Waffeleisen bei Ihnen schon für mehr als Waffeln im Einsatz war.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise und Tipps für die private Küche und ersetzt keine medizinische oder Ernährungsberatung. Bei Lebensmittelallergien oder Unverträglichkeiten richten Sie sich bitte zwingend nach den Hinweisen auf den Verpackungen Ihrer Zutaten. Die angegebenen Nährwerte sind Orientierungswerte und können schwanken. Achten Sie stets auf die Frische Ihrer Zutaten. Das Nacharbeiten der Rezepte und Anleitungen sowie der Umgang mit Küchengeräten, heißen Zutaten und offenem Feuer erfolgen auf eigene Verantwortung. Eine Haftung für Personen- oder Sachschäden ist ausgeschlossen, soweit sie nicht auf Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit beruht; die Haftung für Schäden aus der Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit bleibt unberührt. Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert, erfolgen jedoch ohne Gewähr.

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