Wie wird Gorgonzola hergestellt? Was ein angeschnittener Laib verrät

BLAUSCHIMMELKÄSE

Milch, Salz, lange Nadeln und viele Wochen Kälte: Beim Anschneiden zeigt ein Gorgonzola-Laib, wie er gemacht wurde und warum seine Adern genau dort verlaufen.

15. Oktober 2026

Wie wird Gorgonzola hergestellt? Was ein angeschnittener Laib verrät

Jede blaue Ader im Gorgonzola folgt einem Stich: Wochen bevor der Draht den Laib teilt, haben Metallnadeln Luft in den Käse gelassen.


Wie wird Gorgonzola hergestellt? Aus pasteurisierter Kuhmilch aus Teilen des Piemonts und der Lombardei. Schon im Kessel bekommt die Milch die Sporen eines blauen Edelschimmels, danach folgen Lab, Formen und trockenes Salz, nach drei bis vier Wochen ein Durchstechen mit langen Nadeln und am Ende 50 bis 270 Tage in kühlen, feuchten Reiferäumen. Rund 5,4 Millionen Laibe sind 2025 nach Angaben des Schutzverbands so entstanden.

Ein angeschnittener Laib lässt sich deshalb lesen wie ein Protokoll seiner Herstellung. Die Rinde erzählt vom Salzen, die Einstiche erzählen von den Nadeln, und die Adern zeigen, wie weit die Luft gekommen ist. Dass man einen solchen Laib mit einem Draht teilt, hat mit genau diesem Teig zu tun: weich, cremig und dort, wo der Schimmel sitzt, bröckelig.


Ein Laib von bis zu 13,5 kg

Ein Laib Gorgonzola ist ein flacher Zylinder mit geraden Flächen oben und unten, 20 bis 32 cm im Durchmesser und an der Seite mindestens 13 cm hoch. Dolce und Piccante wiegen nach den Regeln der geschützten Ursprungsbezeichnung jeweils 9 bis 13,5 kg. Daneben gibt es einen kleineren Piccante von 5,5 bis knapp 9 kg, der auch kürzer reifen darf.

Außen sitzt eine raue Rinde, grau oder rötlich gefleckt, und auf beiden flachen Seiten ist die Nummer der Käserei eingeprägt. Ganze und waagerecht halbierte Laibe stecken in Alufolie mit vielen eingeprägten kleinen „g“. Auf ihr stehen außerdem der Name, das EU-Zeichen für geschützte Ursprungsbezeichnung und beim Piccante das Wort „piccante“. Wer an der Theke ein Stück abschneiden lässt, bekommt einen Rest dieser Folie mit. Fertig abgepackte Stücke aus dem Kühlregal dürfen auch ohne sie verkauft werden.

Käsedraht mit Holzgriffen wird mittig in die Oberseite eines großen runden Gorgonzola-Laibs gedrückt, die Hände stecken in schwarzen Handschuhen
Der Draht setzt in der Mitte an – von hier aus teilt er den ganzen Laib

Im Kessel ist der Schimmel schon dabei

Der blaue Schimmel ist von der ersten Minute an im Käse. In die Milch kommen Milchsäurebakterien, Hefen und die Sporen des Edelschimmels, danach Lab vom Kalb, bei einer Milchtemperatur von 28 bis 36 °C. Nach etwa 40 Minuten ist die Milch dick. Die feste Masse, der Bruch, wird geschnitten und so lange weiter zerteilt, bis die Stücke etwa so groß sind wie Reiskörner.

Der Bruch kommt in runde Formen, wird einige Male gewendet und bekommt dabei die Nummer seiner Käserei. Drei bis vier Tage stehen die jungen Laibe dann in einem warmen, feuchten Raum, damit sie fest werden. Gesalzen wird trocken: Das Salz kommt auf beide Flächen und die Seite, mehrere Tage lang bei 18 bis 24 °C. Dabei beginnt sich auch die Rinde zu bilden, die später von Bakterien auf der Oberfläche ihre Flecken bekommt.


Nadeln lassen Luft in den Käse

Die Sporen im Inneren brauchen zum Wachsen Luft, und die bringen die Nadeln. Nach drei bis vier Wochen wird jeder Laib durchstochen. Dafür nimmt man lange Metallnadeln von 5 bis 6 mm Durchmesser und sticht sie von einer flachen Seite aus bis knapp über die halbe Höhe in den Käse, danach von der anderen Seite. So entstehen senkrechte Kanäle durch den ganzen Laib.

Durch diese Kanäle kommt Luft ins Innere, und dort, wo Luft ist, wächst der Schimmel. Deshalb folgen die blaugrünen und graublauen Adern den Einstichen, und in einem Anschnitt von oben legt sich die Marmorierung um die Spuren der Nadeln. Der Teig dazwischen bleibt weiß bis strohgelb – so beschreiben ihn auch die Regeln der Ursprungsbezeichnung.

Käsedraht steckt etwa ein Viertel tief in der Seite eines großen Gorgonzola-Laibs, eine Hand hält den Holzgriff auf Abstand zum Käse
Ein Viertel der Höhe ist geschafft: Der Draht steckt mitten im Teig

Dolce oder Piccante ist eine Frage der Zeit

Nach dem Stechen bleibt der Käse im Reiferaum, bei −1 bis +7 °C und einer Luftfeuchtigkeit von 85 bis 100 Prozent. Wie lange, entscheidet über die Sorte. Die Regeln beschreiben für Dolce und Piccante dasselbe Verfahren, dieselbe Milch und dieselbe Form des Laibs. Den Unterschied macht vor allem die Zeit, und sie verändert vieles, was man beim Anschneiden sieht und schmeckt.

Ein junger Dolce ist milchweiß, weich bis streichfähig und hat nur zarte Adern. Ein Piccante reift mindestens 80 Tage, sein Teig wird strohgelb, fester und bröckelt, und der Schimmel breitet sich deutlich weiter aus. Darum schmilzt ein Dolce in einer Sahnesauce fast von allein, während sich ein Piccante gut über einen Salat krümeln lässt.


Dolce und Piccante in Größenordnungen

Gorgonzola dolceGorgonzola piccante
Reifezeit50 bis 150 Tage80 bis 270 Tage, kleiner Laib 60 bis 200 Tage
Gewicht des Laibs9 bis 13,5 kg9 bis 13,5 kg, kleiner Laib 5,5 bis knapp 9 kg
Teigmilchweiß, weich bis streichfähigstrohgelb, fester, bröckelig
Adernzart, wenigekräftig, viele

Entscheidend ist die erste Zeile. Beim großen Laib sind Gewicht und Form bei beiden Sorten gleich, der Piccante reift aber mindestens 80 Tage, der Dolce mindestens 50. In den zusätzlichen Wochen wächst der Schimmel weiter, und der Teig wird fester.

Von einem geteilten Gorgonzola-Laib wird mit dem Draht ein Keil abgetrennt, die Schnittfläche hell und glatt mit blaugrauen, bröckeligen Schimmelnestern
Vom geteilten Laib geht es keilweise weiter

Warum ein Draht statt eines Messers

Für eine Klinge ist Gorgonzola ein schwieriger Käse. Der Teig ist weich und klebt, und wo der Schimmel sitzt, bröckelt er. Eine breite Messerklinge hat zwei Flanken, an denen der Käse haftet. Zieht man sie durch den Laib, nimmt sie Teig mit, schiebt Krümel aus den Adern über die helle Schnittfläche und drückt die weiche Mitte zusammen.

Ein Draht berührt den Käse entlang einer dünnen Linie. Der Teig teilt sich vor ihm, und auf beiden Schnittflächen bleiben die Adern, wo sie gewachsen sind. Dazu kommt die Kraft: Was beide Hände an den Griffen aufbringen, wirkt auf diese schmale Linie. So gleitet der Draht mit wenig Druck durch einen Laib von bis zu 32 cm Durchmesser, für den eine Klinge länger sein müsste als der Käse breit ist.

Am meisten fasziniert mich an diesem Werkzeug, dass der Draht eine glatte Fläche selbst dort hinterlässt, wo der Teig am stärksten bröckelt. An der Käsetheke kommt für einzelne Stücke auch das Messer zum Einsatz, für den großen Laib dagegen der Draht als das sauberere Werkzeug.


Und zu Hause?

Einen ganzen Laib teilt zu Hause kaum jemand. Ein Stück von der Theke lässt sich aber nach demselben Prinzip schneiden: mit einem Käseschneider mit Draht oder einem dünnen Messer, das vor jedem Schnitt in heißes Wasser getaucht und trocken abgewischt wird. Kalt aus dem Kühlschrank ist der Teig fester und klebt weniger.

Für die Birne-Gorgonzola-Pizza teile ich den Gorgonzola dolce deshalb direkt aus dem Kühlschrank in walnussgroße Stücke. Zimmerwarm haftet er an Fingern und Messer, während sich kalte Stücke locker auf dem Teig verteilen lassen. Die Rinde kommt vorher ab: Die Regeln der Ursprungsbezeichnung beschreiben sie ausdrücklich als nicht essbar.


Häufige Fragen zu Gorgonzola

Wie kommt der Schimmel in den Gorgonzola?

Die Sporen des Edelschimmels kommen schon im Kessel in die Milch, zusammen mit Milchsäurebakterien und Hefen. Wachsen kann der Schimmel, sobald nach drei bis vier Wochen lange Nadeln Kanäle in den Laib stechen und Luft hineinlassen. Deshalb verlaufen die Adern entlang der Einstiche.

Ist Gorgonzola aus Rohmilch oder pasteurisiert?

Gorgonzola mit geschützter Ursprungsbezeichnung wird aus pasteurisierter Vollmilch von Kühen hergestellt. Die Milch stammt aus dem Herkunftsgebiet im Piemont und in der Lombardei, und auch das Futter der Kühe muss dort mindestens zur Hälfte gewachsen sein.

Warum ist Gorgonzola nicht vegetarisch?

Die Regeln der Ursprungsbezeichnung schreiben vor, die Milch mit Lab vom Kalb dickzulegen. Lab ist ein Stoff aus dem Kälbermagen, deshalb gilt Gorgonzola als nicht vegetarisch.

Woher kommt der Name Gorgonzola?

Von der Kleinstadt Gorgonzola am Rand von Mailand, aus deren Ebene der Käse stammt. Hergestellt wird er heute in 15 Provinzen des Piemonts und der Lombardei sowie in einigen Gemeinden der Provinz Alessandria.

Wie lange reift Gorgonzola?

Gorgonzola dolce reift 50 bis 150 Tage, Gorgonzola piccante 80 bis 270 Tage, der kleinere Piccante-Laib 60 bis 200 Tage. Die Reiferäume sind −1 bis +7 °C kalt und sehr feucht.


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Greifen Sie eher zum milden Gorgonzola dolce oder zum kräftigen Piccante? Schreiben Sie gern in die Kommentare, wofür Sie welchen nehmen – für eine Sauce, für die Pizza oder pur aufs Brot.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise und Tipps für die private Küche und ersetzt keine medizinische oder Ernährungsberatung. Bei Lebensmittelallergien oder Unverträglichkeiten richten Sie sich bitte zwingend nach den Hinweisen auf den Verpackungen Ihrer Zutaten. Die angegebenen Nährwerte sind Orientierungswerte und können schwanken. Achten Sie stets auf die Frische Ihrer Zutaten. Das Nacharbeiten der Rezepte und Anleitungen sowie der Umgang mit Küchengeräten, heißen Zutaten und offenem Feuer erfolgen auf eigene Verantwortung. Eine Haftung für Personen- oder Sachschäden ist ausgeschlossen, soweit sie nicht auf Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit beruht; die Haftung für Schäden aus der Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit bleibt unberührt. Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert, erfolgen jedoch ohne Gewähr.

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