Warum grüner Teig grau wird – Chlorophyll, Blanchieren und das Grün, das nicht aus Spinat kommt

FARBE IM TEIG

Grünes Gemüse verliert seine Farbe nicht durch Zufall, sondern durch drei Größen, die jedes Rezept beeinflusst. Was davon in der Küche zählt, wo die Grenze ohne Farbstoff liegt und wie sich ein gefärbtes Foto von einem ehrlichen unterscheiden lässt.

19. September 2026

Warum grüner Teig grau wird – Chlorophyll, Blanchieren und das Grün, das nicht aus Spinat kommt

In der Schüssel leuchtet das Spinatpüree, in der Pfanne wird daraus ein blasses Olivgrün. Das liegt nicht an zu wenig Spinat – sondern an einem Farbstoff, der beim Erhitzen chemisch etwas anderes wird.


Blattgrün ist der empfindlichste Farbstoff der Küche. Er verträgt weder lange Hitze noch Säure, und in jedem Teig verdünnt er sich sofort auf einen Bruchteil. Wer die drei Größen kennt, die darüber entscheiden, kann jedes Rezept korrigieren – und erkennt außerdem, wann ein besonders leuchtendes Foto kein Vorbild mehr ist. Genau daran scheitern die meisten Versuche: nicht an der Technik, sondern an einer Erwartung, die mit Spinat allein niemand einlösen kann.


Was beim Erhitzen wirklich passiert

Blattgrün heißt Chlorophyll und kommt in zwei Varianten vor: Chlorophyll a wirkt blaugrün, Chlorophyll b gelbgrün. Beide bestehen aus einem Ringmolekül mit einem einzelnen Magnesium-Atom im Zentrum. Dieses Magnesium ist der Grund für die Farbe.

Unter Hitze und in saurer Umgebung wird es aus dem Ring gedrängt und durch Wasserstoff ersetzt. Das Ergebnis heißt Pheophytin und ist genau die Farbe, die jeder kennt: ein stumpfes Oliv- bis Graubraun. Das ist kein Verderb – der Farbstoff ist noch da, er hat nur sein Zentrum verloren.

Wichtig für die Praxis: Die Reaktion läuft nicht schlagartig, sondern je länger und heißer, desto weiter. Es entscheidet also nicht die Temperatur allein, sondern das Produkt aus Zeit und Hitze. Zwei Minuten sprudelnd sind harmloser als zwanzig Minuten sanft. Auch roter Teig verliert im Ofen an Farbe, je heißer und länger gebacken wird – warum, erklärt Warum Red Velvet nicht rot wird.


Die drei Größen, die über das Grün entscheiden

Jede davon kann das Ergebnis allein ruinieren, und in den meisten Rezepten taucht keine als Farbfrage auf.

Zeit mal Hitze ist die stärkste Größe. Jede zusätzliche Minute im heißen Wasser oder in der Pfanne schiebt mehr Chlorophyll in Richtung Pheophytin, und dieser Weg ist nicht umkehrbar.

Säure beschleunigt dieselbe Reaktion um ein Vielfaches. Dabei ist der gefährlichste Säurezusatz oft gar keiner: Grünes Gemüse setzt beim Erhitzen eigene Säuren frei, vor allem Oxal- und Apfelsäure. Spinat ist besonders oxalsäurereich – er säuert sein eigenes Kochwasser an.

Verdünnung ist die Größe, die in einem Teig alles andere überlagert. Sie hat mit Chemie nichts zu tun, nur mit Arithmetik – und sie ist der Grund, warum Teige nie so grün werden wie das Gemüse, aus dem sie stammen.


Die Verdünnung: der Punkt, den kein Rezept nennt

Rechnen wir einen üblichen Crêpe-Teig durch: 250 g Mehl, 500 ml Milch, 3 Eier, 30 g Butter, Salz. Das sind rund 950 g Grundmasse, in die das Spinatpüree kommt.

SpinatpüreeAnteil am Teigdavon Trockenmasse
100 g9,5 %9 g = 0,86 %
150 g13,6 %13,5 g = 1,23 %
200 g17,4 %18 g = 1,57 %

Die dritte Spalte erklärt alles. Spinat besteht zu rund 91 % aus Wasser. Selbst großzügige 200 g Püree bringen nur etwa 18 g feste Substanz in einen Teig von 1150 g – diese 1,6 % sollen gegen 250 g weißes Mehl und drei gelbe Eigelb anfärben.

Mehr Spinat ist dabei keine Lösung, sondern eine neue Grenze: Jenseits von etwa 200 g wird der Teig so dünn, dass die Crêpes beim Wenden reißen. Man stößt also an die Wasserobergrenze, lange bevor man an die Farbobergrenze stößt.


Blanchieren macht grüner – für etwa 60 Sekunden

Der überraschendste Effekt: Kurz blanchiertes Gemüse sieht grüner aus als rohes – und das hat mit dem Farbstoff zunächst nichts zu tun.

In den Blättern sitzt Luft in den Zwischenräumen der Zellen. Diese Bläschen streuen das Licht und legen einen milchigen Schleier über die Farbe. Beim Blanchieren entweicht die Luft, Wasser rückt nach, und das Chlorophyll wird unverdeckt sichtbar. Gleichzeitig werden Enzyme abgetötet, die den Farbstoff sonst langsam weiter abbauen.

Der Abbau läuft dabei von der ersten Sekunde an mit – er wird in dieser Minute nur vom Aufhellen überdeckt. Ist die Luft draußen, bleibt er allein übrig. Die 60 Sekunden sind also kein geschütztes Fenster, sondern der Punkt, an dem die Bilanz kippt. Deshalb gilt:

  • 30 bis 60 Sekunden für Blattspinat, danach sofort in Eiswasser.
  • 2 bis 3 Minuten für Brokkoliröschen oder grüne Bohnen.
  • Etwa 1 Liter Wasser je 100 g Gemüse, lieber mehr. Beim Einlegen fällt die Temperatur rechnerisch auf 87 °C bei einem halben Liter, auf 93 °C bei einem und auf 96 °C bei zwei. Der große Sprung liegt unten – wer knausert, blanchiert nicht, sondern zieht das Gemüse langsam hoch.
  • Deckel weg. Im geschlossenen Topf bleiben die freigesetzten flüchtigen Säuren im Wasser und beschleunigen genau die Reaktion, die man vermeiden will.

Das Eiswasser ist kein Schnickschnack: Ein nur abgegossenes Blatt gart in der eigenen Restwärme minutenlang weiter, und diese Minuten kosten mehr Farbe als das Blanchieren selbst.


Säure: Der Fehler passiert meistens vor dem Kochen

Zitrone und Essig gehören zu grünem Gemüse, aber erst auf dem Teller. In der Marinade, im Kochwasser oder im Teig verwandeln sie eine sanfte Reaktion in eine schnelle.

Für Teige heißt das konkret: Wenn Buttermilch, Joghurt oder Zitronensaft im Rezept stehen, wird der Spinat davon deutlich schneller stumpf. In einem Crêpe-Teig mit Milch passiert wenig, in einem mit Buttermilch sichtbar mehr.

Gern übersehen: Kochwasser nicht wiederverwenden. Nach dem ersten Durchgang ist es mit den Pflanzensäuren angereichert – die zweite Portion wird darin merklich grauer.


Natron färbt grün – und ruiniert alles andere

Der Trick steht in vielen alten Kochbüchern, und er funktioniert. Im alkalischen Wasser entsteht statt Pheophytin das wasserlösliche und leuchtend grüne Chlorophyllid (nicht zu verwechseln mit dem industriellen Farbstoff Chlorophyllin, E 141). Schon etwa 1 g Natron je Liter reicht für einen sichtbaren Unterschied.

Der Preis ist allerdings hoch, und er wird auf drei Konten gleichzeitig bezahlt:

  • Die Struktur bricht zusammen. Alkalisches Wasser löst die Pektine in den Zellwänden. Aus knackigen Bohnen wird in derselben Zeit Matsch.
  • Der Geschmack kippt ins Seifige. Ein flacher, leicht laugiger Beigeschmack, der sich nicht mehr wegwürzen lässt.
  • Vitamin C und Vitamin B1 bauen deutlich stärker ab. Beide sind im Alkalischen empfindlich – ausgerechnet bei dem Gemüse, das man wegen dieser Vitamine gekocht hat.

Die ehrliche Empfehlung lautet deshalb: nicht machen. Der Farbgewinn ist real, aber er ist der schlechteste Tausch in dieser ganzen Liste.


Grüne Quellen im Vergleich

Wenn Spinat nicht genug Farbkraft hat, liegt die Frage nach Alternativen nahe. Die Antworten unterscheiden sich stärker, als man erwartet – vor allem bei der Frage, ob sie Hitze überstehen.

QuelleFarbkraftGeschmackVerhalten bei Hitze
Blattspinat, frisch püriertmittelsehr mildempfindlich, bringt viel Wasser
Spinatpulverhoch je Grammab 2 % leicht heuartigempfindlich, aber ohne Zusatzwasser
Brennnesselmittel bis hochmild-herbempfindlich, sehr saisonal
Bärlauchmitteldominant nach Knoblauchempfindlich, März bis Mai
Petersilie, Basilikumhoch je Grammsehr präsentempfindlich
Matchahochab 1 % deutlich herbvergleichsweise stabil, vergilbt aber bei starker Oberhitze
Spirulinasehr hochab 0,3 % algigungeeignet – der blaue Anteil zerfällt schon ab etwa 60 °C, es bleibt ein graues Grün
Weizengrashochgrasigempfindlich

Die praktische Reihenfolge daraus: Für kalte Anwendungen – Pesto, Dips, Cremes, Aufstriche – reichen frische Kräuter und Spinat völlig aus, weil dort gar keine Hitze wirkt. Für lange Ofenzeiten ist Matcha die einzige Quelle in dieser Liste, die den Ton einigermaßen durchhält.

Spirulina steht bewusst in dieser Liste, weil sie oft als natürliche Alternative für Gebäck empfohlen wird. Für Rohkost-Riegel und kalte Cremes stimmt das auch. In der Pfanne oder im Ofen stimmt es nicht.


Spinatpulver: nicht stärker, sondern für andere Teige

Pulver gilt als der große Hebel für Farbe, und diese Erwartung hält der Rechnung nicht stand. Getrockneter Spinat hat eine Ausbeute von rund 9 %, entspricht also der Trockenmasse:

Spinatpulverentspricht der Trockenmasse vonZusatzwasser
5 getwa 56 g frischem Spinatkeines
10 getwa 111 g frischem Spinatkeines
15 getwa 167 g frischem Spinatkeines

Entscheidend ist aber nicht die Tabelle, sondern wo bei beiden Wegen die Grenze liegt – und die liegt völlig verschieden.

Püree begrenzt das Wasser. Bei 200 g je 250 g Mehl reißen die Crêpes, das sind 18 g Trockenmasse oder 7,2 % der Mehlmenge.

Pulver begrenzt der Geschmack. Ab etwa 2 % der Mehlmenge wird der heuartige Ton schmeckbar, das sind 5 g – also nur 5 g Trockenmasse.

Damit dreht sich die Erwartung um: In einem flüssigen Teig liefert Püree an seiner Grenze rund das Dreieinhalbfache dessen, was eine schmeckbare Pulvermenge einbringt. Wer Crêpes grüner haben will, kommt mit Püree weiter, nicht mit Pulver – und sollte den blanchierten Spinat vor allem gut ausdrücken, weil das die Trockenmasse erhöht, ohne die Menge zu vergrößern.

Sein Feld hat Pulver dort, wo Wasser gar nicht hineindarf: Hefeteig, Milchbrot, Mürbeteig, Nudelteig. Dort ist Püree keine schwächere Option, sondern gar keine. Zu sehen ist das am marmorierten Orangen-Brot mit Spinat-Swirl – ein Milchbrot, das 200 g Püree nie vertragen hätte.

Ein Vorbehalt gehört dazu: Die Tabelle rechnet Trockenmasse, nicht Farbe. Beim Trocknen geht ein Teil des Chlorophylls verloren, 10 g Pulver färben also etwas schwächer als 111 g frischer Spinat es täten.


Die Blatt-Probe: gefärbtes Grün auf Fotos erkennen

Und damit zu der Frage, an der die meisten Küchenversuche eigentlich scheitern – nicht an der Technik, sondern am Vorbild. Es gibt eine Prüfung dafür, die keine Ausrüstung braucht.

Der Grundsatz: Ein gegarter Teig fällt gelber aus als das rohe Blatt, aus dem er stammt. Drei Dinge ziehen ihn dorthin – das Gelb von Mehl und Eigelb, die beginnende Bräunung in der Pfanne und der Verlust an Chlorophyll durch die Hitze. Gegen sie arbeitet nur ein Effekt, das Blanchieren, und der ist nach einer Minute erschöpft und wird von der Verdünnung um ein Vielfaches überstimmt. Unterm Strich bleibt der Versatz ins Gelbe.

Praktisch nachprüfen lässt sich das immer dann, wenn auf demselben Foto ein rohes Blatt neben dem fertigen Gericht liegt – als Deko liegt dort fast immer eines. Der Vergleich muss dabei den Farbton betreffen, nicht die Helligkeit: Ein heller angeleuchteter Crêpe wirkt automatisch kräftiger, ohne dass mehr Farbe darin wäre.

Zwei gerollte grüne Crêpes mit Lachsfüllung auf einem grauen Teller, daneben roher Rucola als Deko
Die Blatt-Probe am eigenen Bild: Der Rucola daneben ist deutlich grüner als der Teig – genau der Versatz, den Hitze und Mehl erzwingen

Ich habe das an unseren eigenen Spinat-Crêpes nachgemessen, und der Versatz ist eindeutig: Der rohe Rucola im selben Bild liegt im Farbton rund 7 Grad weiter im Grünen als der gebratene Teig daneben. Bei zwei typischen Netzaufnahmen derselben Speise waren es nur 3 und 5 Grad – und auf einer davon war der Teig sogar grüner als das rohe Blatt neben ihm.

Zwei Einschränkungen gehören dazu, damit die Probe nicht mehr behauptet, als sie kann. Erstens muss die Helligkeit herausgerechnet werden, sonst gewinnt einfach das heller beleuchtete Bild. Zweitens ist das Deko-Blatt oft eine andere Pflanze als die im Teig – Rucola etwa ist von Haus aus gelber als Spinat, was den gemessenen Versatz eher kleiner macht als größer. Als grobe Plausibilitätsprüfung taugt sie, als Beweis nicht.

Woran man es außerdem sieht, ganz ohne Messen:

  • Kein einziger gebräunter Fleck. Jede Pfanne hinterlässt Spuren, ein gleichmäßig durchgefärbter Teig ohne jede goldene Stelle hat keine gesehen.
  • Der Ton ist reines Grün statt Gelbgrün. Mehl und Eigelb müssen sichtbar sein.
  • Die Farbe ist über die ganze Fläche identisch. Püriertes Blatt verteilt sich nie perfekt.

Das ist keine Anklage gegen solche Bilder – es ist der Grund, warum man sie nicht als Zielvorgabe nehmen sollte. Ein ehrlicher Spinat-Crêpe ist ein sattes Gelbgrün mit goldenen Stellen, und genau so soll er auch aussehen.


In der Pfanne: mittlere Hitze, 60 bis 90 Sekunden

Der letzte Hebel, und der am leichtesten zu bedienende. Ein Crêpe ist nur 1 bis 2 mm dick, die Zeit in der Hitze also ohnehin kurz – umso mehr entscheidet die Temperatur der Pfanne.

  • 170 bis 180 °C statt voller Stufe. Auf voller Hitze bräunt die Unterseite, bevor der Crêpe überhaupt durch ist – und dieses Braun legt sich über das Grün.
  • 60 bis 90 Sekunden je Seite, nicht länger. Der Crêpe ist fertig, wenn sich der Rand von selbst löst.
  • Helle Pfanne statt dunkler, aus demselben Grund wie bei hellen Backformen: weniger aufgenommene Strahlungswärme, weniger Bräunung.
  • Den Teig 30 Minuten ruhen lassen, aber im Kühlschrank bei 4 °C. Bei Raumtemperatur arbeiten die Enzyme aus dem Blatt weiter.

Bei gebackenen Teigen ist der Spielraum kleiner, weil die Ofenzeit nicht beliebig verkürzt werden kann. Dort entscheidet eher die Wahl der Farbquelle als die Temperatur – und für lange Ofenzeiten hält allein Matcha den Ton einigermaßen durch.


Was schiefgehen kann

FehlerbildUrsacheWas hilft
Teig grau statt grünPüree zu lange erhitzt30 bis 60 Sekunden blanchieren, dann Eiswasser
Farbe blass, aber nicht grauzu wenig Trockenmasse im TeigSpinat vor dem Pürieren gründlich ausdrücken, Püreemenge erhöhen
Crêpes reißen beim Wendenmehr Püree als etwa 200 g je 250 g MehlMilchmenge um das Gewicht des Zusatzpürees kürzen
Grün kippt erst am zweiten TagSäure im Teig, etwa Buttermilchauf Milch wechseln, Zitrone erst am Teller
Zweite Portion grauer als die ersteKochwasser wiederverwendetfür jeden Durchgang frisches Wasser
Gemüse grün, aber matschigNatron im Kochwasserweglassen, dafür kürzer und in mehr Wasser
Ton wirkt bräunlich statt olivPfanne zu heiß170 bis 180 °C, helle Pfanne
Grünes Pesto wird im Glas dunkelLuftkontakt an der Oberflächemit einer Schicht Öl abdecken

Ich habe lange versucht, das über die Menge zu lösen – immer mehr Spinat in den Teig, bis er zu nass war, um noch zu funktionieren. Geholfen hat am Ende nicht mehr Spinat, sondern trockenerer: das blanchierte Blatt wirklich auszudrücken und die Milch um dieses Gewicht zu kürzen. Dieselbe Menge Grün, aber ohne das Wasser, das vorher die Grenze gesetzt hatte.

Grüne Crêpe-Röllchen mit Lachs und Frischkäse von oben auf einem Teller mit Rucola und Tomate
Sattes Gelbgrün mit hellen Stellen – so sieht Spinat aus, der wirklich in der Pfanne war

Warum wird mein Spinatteig beim Backen grau?

Weil das Magnesium aus dem Chlorophyll-Molekül gedrängt und durch Wasserstoff ersetzt wird – übrig bleibt Pheophytin, ein olivbraunes Abbauprodukt. Beschleunigt wird das durch lange Hitze und durch Säure, wobei Spinat mit seiner Oxalsäure einen Teil der Säure selbst mitbringt.

Wie bleibt Spinat beim Kochen grün?

30 bis 60 Sekunden in reichlich sprudelndem Wasser ohne Deckel, danach sofort in Eiswasser. Rechnen Sie mit rund 1 Liter Wasser je 100 g Gemüse, damit die Temperatur beim Einlegen nicht einbricht, und geben Sie keine Säure vor oder während des Garens dazu.

Warum sieht blanchierter Spinat grüner aus als roher?

Zwischen den Zellen sitzt Luft, die das Licht streut und die Farbe milchig überdeckt. Beim Blanchieren entweicht sie, und das Chlorophyll wird unverdeckt sichtbar. Der Farbverlust läuft von Anfang an mit, wird in dieser ersten Minute aber vom Aufhellen überdeckt – danach bleibt er allein übrig.

Hilft Natron dabei, Gemüse grün zu halten?

Es färbt tatsächlich kräftig grün, weil im alkalischen Wasser leuchtend grünes Chlorophyllid entsteht. Es löst dabei aber die Pektine in den Zellwänden, hinterlässt einen seifigen Beigeschmack und baut Vitamin C und B1 stärker ab als normales Kochwasser. Der Farbgewinn steht in keinem Verhältnis dazu.

Spinatpulver oder frischer Spinat für grünen Teig?

Das hängt am Teig, und die verbreitete Antwort «Pulver ist stärker» stimmt nicht allgemein. In einem flüssigen Teig wie Crêpes gehen 200 g Püree hinein, das sind 18 g Trockenmasse – eine geschmacklich verträgliche Pulvermenge von 2 % der Mehlmenge bringt dagegen nur 5 g. Dort färbt Püree deutlich stärker. In Hefeteig, Milchbrot oder Mürbeteig ist Pulver dagegen der einzige Weg, weil Püree die Teigführung kippt.

Kann man grüne Crêpes ohne Lebensmittelfarbe so leuchtend hinbekommen wie auf Fotos?

In der Regel nicht. Ein gegarter Teig muss gelber ausfallen als das rohe Blatt, aus dem er stammt, weil Mehl, Eigelb und die Bräunung in der Pfanne alle ins Gelbe ziehen. Ein reines, gleichmäßiges Grün ohne jede gebräunte Stelle ist mit Spinat allein nicht herstellbar.

Welche natürliche Alternative färbt am stärksten grün?

Ohne Hitze Petersilie oder Basilikum, mit Hitze Spinatpulver oder Matcha. Spirulina wird oft empfohlen, ist für Gebackenes aber ungeeignet: Ihr blauer Anteil zerfällt schon ab etwa 60 °C, und es bleibt ein graues Grün zurück.

Warum wird mein Pesto im Glas dunkel?

Dort wirkt keine Hitze, sondern Luft. An der Oberfläche oxidiert der Farbstoff, und die Schicht wird bräunlich. Eine dünne Ölschicht über dem Pesto schließt die Oberfläche ab und hält die Farbe deutlich länger.


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📌 Für wen ist dieser Ratgeber ideal? Er richtet sich an alle, die schon einmal leuchtend grünes Püree angerührt und blassgraue Crêpes aus der Pfanne geholt haben – und an alle, die vor dem ersten Versuch wissen möchten, wie viel Grün mit Spinat überhaupt erreichbar ist, statt es an einem Foto zu messen, das nie aus einer Pfanne kam. Ebenso hilfreich ist er, wenn Bohnen, Brokkoli oder Spargel regelmäßig grau auf den Tisch kommen, denn dahinter steckt fast immer dieselbe Reaktion.

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Wie grün werden Ihre Spinat-Crêpes? Schreiben Sie es gern unten in die Kommentare – besonders hilfreich ist die Angabe, ob Sie mit Püree oder mit Pulver gearbeitet haben, denn genau dort liegt der Unterschied, den kein Rezept mitliefert.

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