Spiegelglasur selber machen – Rezept und Arbeitstemperatur

SPIEGELGLASUR

Warum eine Spiegelglasur spiegelt und die nächste stumpf bleibt, entscheidet sich an drei Zahlen: der Kochtemperatur des Sirups, der Reifezeit im Kühlschrank und dem engen Fenster, in dem sie überhaupt gegossen werden darf.

28. September 2026

Spiegelglasur selber machen – Rezept und Arbeitstemperatur

Eine Spiegelglasur ist keine besonders schwierige Zubereitung. Sie ist eine besonders unversöhnliche: Sie verzeiht keine Luftblase, keine zu kurze Reifezeit und keine zwei Grad zu viel – und zeigt jeden dieser Fehler auf einer Fläche, die eigentlich spiegeln soll.


Wer zum ersten Mal eine Spiegelglasur ansetzt, ist meistens überrascht, wie wenig davon nach Handwerk klingt und wie viel nach Physik. Es wird nichts geknetet, nichts abgeschmeckt und nichts nach Gefühl entschieden – stattdessen wird ein Sirup auf eine bestimmte Temperatur gebracht, über Schokolade gegossen, blasenfrei verbunden, zwölf Stunden ruhig gestellt und schließlich in einem einzigen engen Temperaturfenster verarbeitet. Genau deshalb ist sie so dankbar: Wer die Zahlen einhält, bekommt beim ersten Versuch ein Ergebnis, das aussieht wie aus der Vitrine. Und wer sie nicht einhält, sieht sofort, welche Zahl gefehlt hat. Dieser Leitfaden geht durch das Grundrezept, die Rolle jeder einzelnen Zutat, die drei kritischen Temperaturen und alle Fehlerbilder, die dabei entstehen können.


Spiegelglasur, Zuckerguss oder Drip – was der Unterschied ist

Im deutschsprachigen Raum werden vier sehr unterschiedliche Überzüge oft in einen Topf geworfen, obwohl sie technisch kaum etwas gemeinsam haben. Der Unterschied entscheidet darüber, was auf dem Kuchen überhaupt möglich ist.

ÜberzugBasisUntergrundErgebnis
SpiegelglasurZuckersirup, Gelatine, weiße Schokolade, Kondensmilchtiefgefrorenspiegelnd, deckend, 1–2 mm
ZuckergussPuderzucker und Flüssigkeitzimmerwarm oder kaltmatt bis leicht glänzend, weiß oder pastell
Drip aus KuvertüreSchokolade und Sahnegut gekühltglänzend, läuft bewusst über den Rand
TortengussStärke oder Pektin, Fruchtsaftgekühlt, meist auf Früchtendurchsichtig, dünn, nicht deckend

Für die drei anderen gibt es eigene Anleitungen: Royal Icing als klassischen Eiweiß-Zuckerguss, Schokoladen-Glasur zum Verzieren als dunkle Variante davon, und wie ein Drip über die Kante läuft, zeigt die Drei-Schokoladen-Mousse-Torte.

Nur die Spiegelglasur ist gleichzeitig deckend und reflektierend. Diese Kombination gelingt, weil sie eine Emulsion ist: Fett aus Schokolade und Kondensmilch, verteilt in einer gelierten Zuckerlösung. Ist diese Emulsion fein genug, wirft die Oberfläche das Licht wie ein Spiegel zurück. Ist sie grob oder von Bläschen durchsetzt, streut sie das Licht – und die Fläche wird stumpf. Alles, was in diesem Leitfaden steht, dient letztlich diesem einen Ziel: eine sehr feine, sehr blasenfreie Emulsion.


Das Grundrezept und was jede Zutat wirklich leistet

Das folgende Verhältnis ergibt etwa 600 g Glasur – genug für eine Torte von 18 bis 20 cm inklusive der Menge, die abtropft und dabei mitgerechnet werden muss.

ZutatMengeFunktion
Zucker150 gSüße, Körper, Trägerlösung
Glukosesirup150 gverhindert Kristalle, macht die Glasur zähfließend
Wasser75 mllöst den Zucker, bestimmt die Endkonsistenz
Gezuckerte Kondensmilch100 gDeckkraft und Fett für die Emulsion
Weiße Schokolade150 gKakaobutter als zweites Fett, Glanz, Standfestigkeit
Gelatine10 g (6 Blatt à 1,7 g)hält die Schicht am Stück, sobald sie kalt wird
Lebensmittelfarbenach BedarfFarbe, ohne die Konsistenz zu verändern

Zwei dieser Zutaten werden regelmäßig unterschätzt. Glukosesirup ist kein Ersatzzucker, sondern der Grund, warum die Fläche überhaupt spiegeln kann: Reiner Haushaltszucker bildet beim Abkühlen wieder feine Kristalle, und jeder dieser Kristalle bricht das Licht. Glukosesirup stört diese Kristallbildung und macht die Glasur gleichzeitig so zäh, dass sie beim Gießen eine gleichmäßige Schicht stehen lässt, statt sofort abzulaufen. Honig und Ahornsirup können das nicht – sie bringen Eigenfarbe und Eigengeschmack mit. Heller Maissirup ist die einzige echte Alternative.

Ein Wort zur Gelatine: Die 10 g beziehen sich auf weiße Blattgelatine aus dem Supermarkt mit etwa 1,7 g pro Blatt, also rund 200 Bloom. Blätter anderer Sorten wiegen zwischen 1,7 und 3,3 g und gelieren entsprechend schwächer – beim Markenwechsel deshalb Blätter zählen statt Gramm abwiegen. Wird versehentlich eine deutlich stärkere Gelatine nach Gewicht dosiert, lässt sich die Glasur später nicht mehr sauber gießen: Sie wird schon bei Arbeitstemperatur zäh und legt sich in Wülsten ab. Wie dieselbe Gelatinemenge in einer Füllung wirkt, zeigt die Dreischichtige Paskha mit Gelatine.

Die weiße Schokolade liefert Kakaobutter, und die entscheidet über den Glanz. Sorten mit weniger als 28 Prozent Kakaobutter enthalten stattdessen andere Fette, die bei Zimmertemperatur fester bleiben – die Glasur wirkt dann eher wachsig als spiegelnd. Beim Einkauf lohnt der Blick auf die Zutatenliste: Steht Kakaobutter an zweiter oder dritter Stelle, passt die Schokolade. Wie sich weiße Schokolade mit Flüssigkeit zu einer stabilen, glänzenden Masse verbindet, lässt sich an der Weißen Schokoladen-Ganache gut nachvollziehen – dort passiert im Kleinen dasselbe wie hier im Becher.

Die goldene Regel bei der Menge

Eine Spiegelglasur wird immer im Überschuss angesetzt. Auf der Torte bleibt nur etwa ein Drittel, der Rest tropft ab und wird aufgefangen. Wer knapp kalkuliert, bekommt Lücken – und ein zweiter Guss über eine bereits erstarrte Stelle hinterlässt einen sichtbaren Rand.

Als Faustzahl für die Ansatzmenge: 500 g für Ø 16 cm, 600 g für Ø 18 bis 20 cm, 800 g für Ø 22 bis 24 cm und ebenfalls rund 600 g für acht kleine Törtchen von je 7 cm, weil dort viel mehr Fläche im Verhältnis zum Volumen glasiert wird.


Der Sirup und die Zahl, die über die Deckkraft entscheidet

Zucker, Glukosesirup und Wasser werden aufgekocht und auf 103 °C gebracht. Diese Zahl wirkt willkürlich, ist es aber nicht: Sie beschreibt, wie viel Wasser am Ende noch in der Glasur steckt. Bei 103 °C ist genau so viel verdampft, dass die fertige Glasur bei Arbeitstemperatur die richtige Zähigkeit hat.

Wird der Sirup nur auf 100 °C gebracht, bleibt mehr Wasser zurück – die Glasur läuft zu dünn ab, deckt schlecht und lässt den Untergrund durchscheinen. Wird er auf 108 °C oder höher gekocht, wird sie so zäh, dass sie in Wülsten liegen bleibt und die Kanten nicht sauber umschließt. Ein einfaches Küchenthermometer reicht dafür völlig aus; nach Augenmaß funktioniert dieser Schritt nicht, weil zwischen 100 und 105 °C optisch nichts passiert.

Ich habe mir angewöhnt, den Topf klein zu wählen. In einem breiten Topf steht der Sirup so flach, dass die Thermometerspitze nicht sicher eintaucht und zwei bis drei Grad zu niedrig anzeigt – und diese zwei Grad sind genau der Unterschied zwischen deckend und durchscheinend.


Emulgieren mit dem Stabmixer – der Schritt, an dem es kippt

Der heiße Sirup wird zusammen mit der eingeweichten Gelatine über gehackte weiße Schokolade und Kondensmilch gegossen. Zwei Minuten stehen lassen, damit die Schokolade durchschmilzt, dann kommt der Stabmixer.

Heißer Zuckersirup wird im Mixbecher über weiße Schokolade und rote Lebensmittelfarbe gegossen
Ein hoher, schmaler Becher hält die Masse tief genug, damit der Mixerkopf immer bedeckt bleibt

Hier entstehen die Fehler, die sich später nicht mehr reparieren lassen. Jede Luftblase, die jetzt eingeschlagen wird, bleibt in der Glasur – sie steigt beim Gießen an die Oberfläche und erstarrt dort als Nadelstich. Drei Regeln verhindern das zuverlässig:

  • Der Mixerkopf bleibt dauerhaft unter der Oberfläche. Wird er auch nur kurz herausgezogen, saugt er Luft ein.
  • Der Stab steht schräg im Becher, nicht senkrecht. Schräg entsteht eine ruhige Walzenströmung, senkrecht ein Trichter, der Luft nach unten zieht.
  • Niedrigste Stufe, ein bis zwei Minuten. Länger und schneller bringt nichts; die Emulsion ist fertig, sobald die Farbe gleichmäßig ist und die Oberfläche satt glänzt.

Ein hoher, schmaler Mixbecher hilft mehr als jedes andere Werkzeug. In einer breiten Schüssel steht die Masse so flach, dass der Kopf zwangsläufig immer wieder an die Oberfläche kommt. Ich habe beide Varianten nebeneinander ausprobiert: Aus der flachen Schüssel kam eine Glasur, die nach dem Erstarren aussah wie feines Schleifpapier – aus dem hohen Becher eine, in der sich das Küchenfenster spiegelte.

Fertig emulgierte rote Spiegelglasur läuft glänzend vom Stabmixer in den Becher zurück
So sieht eine gelungene Emulsion aus – der Faden reißt nicht ab und die Fläche wirft Licht zurück

Zum Schluss wird die Glasur durch ein feines Sieb gegossen. Das Sieb fängt nicht geschmolzene Schokoladenstücke ab und nimmt gleichzeitig die gröbsten Blasen mit. Dieser Schritt dauert zwanzig Sekunden und wird trotzdem am häufigsten ausgelassen.


Die Reifezeit: zwölf Stunden, die sich nicht abkürzen lassen

Die fertige Glasur kommt mit Frischhaltefolie direkt auf der Oberfläche für mindestens 12 Stunden in den Kühlschrank. Die Folie muss die Glasur wirklich berühren, sonst bildet sich eine Haut, die sich später als Klumpen durch die Fläche zieht.

In diesen zwölf Stunden passieren drei Dinge gleichzeitig: Die Gelatine baut ihr Netz vollständig auf, die Emulsion stabilisiert sich, und der Rest der eingeschlagenen Luft steigt nach oben und verlässt die Masse. Eine frisch angesetzte Glasur hat all das noch nicht – sie ist dünnflüssiger, deckt schlechter und trübt beim Erstarren nach. Der Unterschied zwischen derselben Glasur nach zwei Stunden und nach zwölf Stunden ist so deutlich, dass es sich lohnt, den Ansatz konsequent auf den Vortag zu legen.

Praktisch heißt das: Die Glasur ist der erste Arbeitsschritt eines solchen Projekts, nicht der letzte. Wer die Reihenfolge umdreht und erst am Serviertag anfängt, hat entweder eine unreife Glasur oder einen sehr späten Abend.


Färben – und warum Rot der schwierigste Fall ist

Weiße Schokolade und Kondensmilch bringen viel Fett mit, und Fett nimmt wasserbasierte Farbe nur widerwillig auf. Deshalb funktionieren fettlösliche Gel- oder Pulverfarben in dieser Glasur deutlich besser als die flüssigen Farben aus dem Supermarktregal: Sie decken mit einem Bruchteil der Menge und verdünnen die Glasur nicht.

Rot ist dabei der anspruchsvollste Ton. Die Basis ist nicht weiß, sondern leicht elfenbeinfarben – Rot auf Elfenbein kippt schnell ins Lachsfarbene. Zwei Handgriffe helfen: die Farbe in zwei Portionen zugeben und nach der ersten Portion eine Minute warten, weil sich der Ton beim Emulgieren noch vertieft; und die Farbe beurteilen, wenn ein Löffel auf einen weißen Teller gezogen wurde, nicht im Becher. Im Becher steht die Masse zentimeterdick und wirkt immer dunkler, als sie später auf der Torte aussieht. Ich habe mir angewöhnt, diesen Löffeltest zweimal zu machen – einmal direkt nach dem Färben und einmal nach der Reifezeit, weil der Ton über Nacht noch etwas satter wird. Wie ein tiefes Rot auf der fertigen Torte aussieht, zeigt die Herz-Mousse-Torte mit roter Spiegelglasur.

Wer eine Glasur bewusst hell und pastellig möchte, kann einen Teil der weißen Schokolade durch zusätzliche Kondensmilch ersetzen. Umgekehrt gilt: Für sehr dunkle Töne lieber eine Glasur auf Basis von Zartbitterschokolade und Kakao ansetzen, statt eine helle Glasur mit sehr viel schwarzer Farbe zu erschlagen.


Die Arbeitstemperatur – ein Fenster von wenigen Grad

Am nächsten Tag ist die Glasur fest wie ein weicher Pudding. Sie wird im warmen Wasserbad oder in kurzen Intervallen in der Mikrowelle auf 32 bis 35 °C gebracht und dann noch einmal ganz kurz mit dem Stabmixer geglättet – wieder mit dem Kopf unter der Oberfläche.

Dieses Fenster ist enger, als es klingt:

  • Über 38 °C wird die Glasur so dünn, dass sie fast vollständig abläuft. Die Schicht deckt nicht mehr, und der Untergrund scheint durch.
  • Unter 30 °C wird sie zäh, zieht beim Gießen Fäden und legt sich in unregelmäßigen Wülsten ab.
  • Zwischen 32 und 35 °C fließt sie gleichmäßig und erstarrt beim Kontakt mit dem tiefgefrorenen Untergrund in Sekunden zu einer Schicht von 1 bis 2 mm.

Das Thermometer ist an dieser Stelle nicht optional. Die Glasur fühlt sich zwischen 30 und 38 °C mit dem Finger praktisch gleich an – handwarm eben. Genau in diesen acht Grad liegt aber der Unterschied zwischen einem Spiegel und einer Enttäuschung.

Der zweite Teil der Gleichung ist der Untergrund: Er muss bei minus 18 °C vollständig durchgefroren sein. Wie ein solcher Rohling aufgebaut und eingefroren wird, steht in Mousse-Torte aufbauen, einfrieren und auftauen. Wie das Übergießen selbst abläuft, welche Menge auf einmal gegossen wird und wie die Unterkante sauber wird, ist ein eigenes Thema und hat mit dem Ansetzen der Glasur nichts mehr zu tun. Nachzulesen in Torte mit Spiegelglasur überziehen. Wer den Untergrund davor sauber aufbauen möchte, findet die Grundlagen dazu unter Torte einstreichen und Cremerand als Damm. Sitzt im Rohling eine Fruchteinlage, entscheidet auch ihre Lage darüber, ob die Oberfläche glatt bleibt – Durchmesser, Höhe und Zeitpunkt stehen in Gefrorene Einlage in die Torte einsetzen.

Vier glasierte Törtchen mit spiegelnder roter Oberfläche und Sesam auf einer schwarzen Platte
Bei richtiger Arbeitstemperatur liegt die Schicht gleichmäßig und zeichnet jede Rundung nach

Was an Ausrüstung wirklich nötig ist

Die Liste ist kürzer, als der Aufwand vermuten lässt, aber sie enthält zwei Dinge, die sich nicht ersetzen lassen.

Unverzichtbar sind ein digitales Küchenthermometer und ein Stabmixer. Das Thermometer wird an zwei Stellen gebraucht: beim Sirup und bei der Arbeitstemperatur – an beiden Stellen liegen die entscheidenden Unterschiede in wenigen Grad, die sich weder sehen noch fühlen lassen. Und der Stabmixer erzeugt eine Feinheit der Emulsion, die ein Schneebesen nicht erreicht: Von Hand gerührt bleibt die Masse gleichmäßig aussehend, aber grob – sie glänzt, spiegelt aber nicht.

Sehr hilfreich, aber ersetzbar sind ein hoher schmaler Mixbecher (ersatzweise ein hohes Einmachglas), ein feines Sieb und ein Kuchengitter mit untergestelltem Blech. Dünne Einmalhandschuhe gehören ebenfalls auf die Liste – nicht aus Hygienegründen, sondern weil warme Fingerkuppen auf einem gefrorenen Rohling Fettspuren hinterlassen, an denen die Glasur später kleine Krater bildet.

Nicht nötig ist alles, was in Anleitungen gern zusätzlich auftaucht: Drehteller, Spritzbeutel, spezielle Glasurformen. Eine Spiegelglasur wird gegossen, nicht aufgetragen – die Fläche entsteht durch Schwerkraft und Temperatur, nicht durch Werkzeug.


Fehlerbilder und was wirklich dahintersteckt

Fast jedes Problem mit einer Spiegelglasur lässt sich auf eine von sechs Ursachen zurückführen. Diese Übersicht ordnet das sichtbare Ergebnis der tatsächlichen Ursache zu.

Was zu sehen istUrsacheWas hilft
Nadelstiche und feine BläschenLuft beim Emulgieren eingeschlagenKopf unter der Oberfläche, sieben, volle Reifezeit
Untergrund scheint durchGlasur zu warm oder Sirup zu niedrig gekochtauf 32–35 °C abkühlen, Sirup auf 103 °C
Glasur läuft fast vollständig abUntergrund nicht durchgefrorenmindestens 8 Std. bei minus 18 °C
Stumpfe, matte OberflächeKondenswasser auf dem Rohlingsofort nach dem Stürzen übergießen
Kleine Krater in der FlächeFett von FingerabdrückenRohling nur an den Kanten anfassen
Fäden und Wülste beim GießenGlasur zu kalterneut auf 33 °C erwärmen
Risse nach dem Auftauenzweimal eingefrorenaufgetaute Torte nicht wieder einfrieren

Ein Fehlerbild verdient eine eigene Erklärung, weil es so oft falsch gedeutet wird: die matte Oberfläche. Sie hat fast nie mit der Glasur selbst zu tun. Wenn ein gefrorener Rohling zwei Minuten in der warmen Küche steht, schlägt sich Luftfeuchtigkeit auf ihm nieder, und die Glasur legt sich auf einen unsichtbaren Wasserfilm. Beim Auftauen wandert dieses Wasser nach außen und trübt die Fläche. Deshalb gilt die Reihenfolge immer: erst Glasur auf Temperatur, Gitter und Auffangblech bereitstellen, Handschuhe anziehen – und erst dann stürzen.


Reste, Haltbarkeit und Wiederverwenden

Die abgetropfte Glasur im Auffangblech ist kein Abfall. Sie wird durch ein feines Sieb gegossen, in ein sauberes Glas gefüllt und mit Folie auf der Oberfläche abgedeckt. Im Kühlschrank hält sie 2 Wochen, im Gefrierfach 3 Monate. Aufgewärmt wird sie wie am ersten Tag: im Wasserbad auf 32 bis 35 °C, dann kurz durchmixen.

Zweimal aufwärmen verträgt eine Glasur problemlos. Ab dem dritten Mal verliert sie spürbar an Glanz, weil die Emulsion mit jedem Erhitzen etwas gröber wird und mehr Luft aufnimmt. Wer viel damit arbeitet, setzt lieber größere Mengen an und friert Portionen ein, statt denselben Rest immer wieder aufzuwärmen. Bei mir stehen inzwischen zwei Gläser im Gefrierfach – eines mit ungefärbter Basis, eines mit fertig gefärbtem Rot; das spart vor einem Fest den halben Abend.

Ein praktischer Hinweis zur Farbe: Reste unterschiedlicher Farbtöne lassen sich zusammenkippen, ergeben aber meist ein trübes Braun. Sinnvoller ist es, Reste sortenrein zu sammeln und einen hellen Rest später gezielt neu einzufärben.


Häufige Fragen

Kann man Spiegelglasur ohne Glukosesirup selber machen?

Nur mit hellem Maissirup als gleichwertigem Ersatz. Reiner Zucker allein kristallisiert beim Abkühlen aus und macht die Oberfläche stumpf; Honig und Ahornsirup bringen Farbe und Geschmack mit, die das Ergebnis verfälschen.

Warum wird die Spiegelglasur trüb statt spiegelnd?

In den meisten Fällen steckt Luft in der Masse, die beim Emulgieren eingeschlagen wurde und die volle Reifezeit von zwölf Stunden nicht bekommen hat. Die zweite häufige Ursache ist Kondenswasser auf einem nicht vollständig durchgefrorenen Untergrund.

Wie viel Spiegelglasur braucht man für eine Torte von 20 cm?

Etwa 600 g Ansatz, von denen rund ein Drittel auf der Torte bleibt. Knapp kalkulieren funktioniert nicht, weil ein zweiter Guss über eine bereits erstarrte Stelle einen sichtbaren Rand hinterlässt.

Kann man Spiegelglasur auch mit Agar-Agar statt Gelatine machen?

Nur eingeschränkt. Agar-Agar geliert deutlich fester und spröder, die Schicht bekommt beim Anschneiden feine Risse und wirkt eher gummiartig als schnittfest. Für eine wirklich spiegelnde, elastische Schicht bleibt Gelatine die zuverlässigere Wahl.

Auf welchen Kuchen funktioniert Spiegelglasur überhaupt nicht?

Auf allem, was nicht tiefgefroren werden kann oder eine poröse Oberfläche hat – also auf lockerem Rührkuchen, Hefegebäck oder einem frischen Biskuit ohne Cremeschicht. Die Glasur braucht eine glatte, geschlossene, steinharte Fläche, sonst zieht sie ein statt aufzuliegen.

Wie lange hält sich selbst gemachte Spiegelglasur im Kühlschrank?

Zwei Wochen, luftdicht und mit Folie direkt auf der Oberfläche. Eingefroren sind es drei Monate. Zweimal wieder aufwärmen verträgt sie ohne Qualitätsverlust, ab dem dritten Mal lässt der Glanz nach.


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📌 Für wen ist diese Anleitung ideal? Für alle, die schon einmal eine Spiegelglasur versucht haben und mit einer stumpfen, streifigen oder durchscheinenden Fläche dagestanden sind, ohne zu wissen, woran es lag. Und für alle, die vor dem ersten Versuch verstehen möchten, warum in jedem Rezept dieselben drei Zahlen auftauchen. Vorkenntnisse braucht es keine – wohl aber ein Küchenthermometer, einen Stabmixer und die Bereitschaft, die Glasur einen Tag vorher anzusetzen.

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Woran ist Ihre erste Spiegelglasur gescheitert? Schreiben Sie es unten in einem Kommentar – gerade bei diesem Thema hilft der Abgleich der Fehlerbilder oft mehr als jedes weitere Rezept, weil dieselbe stumpfe Fläche drei völlig verschiedene Ursachen haben kann.

Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag gibt allgemeine Hinweise und Tipps für die private Küche und ersetzt keine medizinische oder Ernährungsberatung. Bei Lebensmittelallergien oder Unverträglichkeiten richten Sie sich bitte zwingend nach den Hinweisen auf den Verpackungen Ihrer Zutaten. Die angegebenen Nährwerte sind Orientierungswerte und können schwanken. Achten Sie stets auf die Frische Ihrer Zutaten. Das Nacharbeiten der Rezepte und Anleitungen sowie der Umgang mit Küchengeräten, heißen Zutaten und offenem Feuer erfolgen auf eigene Verantwortung. Eine Haftung für Personen- oder Sachschäden ist ausgeschlossen, soweit sie nicht auf Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit beruht; die Haftung für Schäden aus der Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit bleibt unberührt. Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert, erfolgen jedoch ohne Gewähr.

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