Maltagliati – warum die schlecht geschnittene Pasta in Italien einen eigenen Namen hat
Der Name bedeutet wörtlich „schlecht geschnitten“. Gemeint ist keine Entschuldigung, sondern eine Sorte – mit eigener Größe, eigener Sauce und einem klaren Vorteil gegenüber der ordentlichen Nudel.
Wer zum ersten Mal Ravioli oder Bandnudeln von Hand macht, steht am Ende vor demselben kleinen Problem: Auf dem Brett liegen Teigränder, abgeschnittene Ecken und Streifen, die für nichts mehr reichen. In vielen Küchen wandert dieser Haufen in den Müll oder wird zu einem Klumpen zusammengeknetet und noch einmal ausgerollt.
In Italien hat er stattdessen einen Namen bekommen. Maltagliati heißt „schlecht geschnitten“, und die Bezeichnung ist ernst gemeint: Es handelt sich um eine anerkannte Pastasorte, vor allem in der Emilia-Romagna, mit fester Verwendung in Suppen und Hülsenfruchtgerichten.
Dieser Artikel klärt, was Maltagliati ausmacht, warum die ungleiche Größe beim Kochen kein Problem ist – anders als oft behauptet -, welche Stückgröße wofür passt und wo der Unterschied zur gebrochenen Pasta liegt.
Woher die Form kommt
Maltagliati sind Reste, und zwar aus zwei Quellen. Die erste sind die Ränder der ausgerollten Bahn: Eine von Hand ausgerollte Bahn ist nie rechteckig, sondern läuft an den Kanten unregelmäßig aus. Wer daraus ein sauberes Raster für Ravioli schneidet, schneidet diese Ränder ab.
Wie viel dabei anfällt, hängt allein daran, wie rechteckig ausgerollt wurde. Bei einer sorgfältig in Form gebrachten Bahn sind es wenige Prozent, bei einer rundlich ausgerollten Bahn kann bis zu ein Drittel der Fläche als Rand übrig bleiben. Das ist der Grund, warum in italienischen Küchen selten jemand versucht, den Verschnitt zu vermeiden – er fällt einfach an, und für ihn gibt es ein Gericht.
Die zweite Quelle sind die Endstücke beim Bandnudelschneiden. Wo eine Bahn schmaler wird, entstehen kurze, schiefe Streifen, die kein ordentliches Band mehr ergeben.
Beides wandert zusammen auf ein mit Grieß bestäubtes Brett – und ist damit fertig. Mehr Arbeit ist an dieser Sorte nicht.

Ungleiche Größe ist beim Kochen egal – ungleiche Dicke nicht
Über Maltagliati liest man oft, die unterschiedlich großen Stücke würden unterschiedlich gar und ergäben deshalb eine besonders interessante Textur. Das klingt gut und stimmt nicht.
Auf dem Brett im ersten Foto liegt zwischen dem kleinsten und dem größten Stück gut der Faktor zwei in der Länge und ungefähr das Fünffache in der Fläche. Trotzdem sind alle gleichzeitig gar – denn sie stammen aus derselben Bahn und sind damit gleich dick. Über die Garzeit entscheidet die Dicke, nicht die Größe des Stücks. Wer das nicht glaubt, fischt beim nächsten Mal ein winziges und ein großes Stück gleichzeitig heraus und probiert beide.
Was tatsächlich ungleichmäßig gart, sind umgeschlagene Stücke. Beim Ablegen klappt sich ein Teigstück gern selbst um, und an dieser Stelle liegt dann doppelte Teigstärke. Genau dort bleibt es fest, während der Rest weich ist.
Die goldene Regel
Vor dem Kochen einmal durch den Haufen fahren und umgeschlagene Stücke auseinanderziehen. Das ist der einzige Handgriff, der bei Maltagliati wirklich über das Ergebnis entscheidet.
Schneiden oder brechen – zwei Wege zur unregelmäßigen Form
Unregelmäßige Pasta entsteht auf zwei völlig verschiedenen Wegen, und die Ergebnisse verhalten sich anders.
Geschnitten (Maltagliati). Der weiche Teig wird mit Messer oder Rädchen frei Hand in Rauten, Dreiecke und Vierecke zerteilt. Die Kanten sind glatt, die Stücke flach, die Form bleibt beim Kochen erhalten. Auf allen Fotos in diesem Artikel liegt genau diese Variante – man sieht es an den sauberen, geraden Schnittkanten. Wie das Rädchen für gleichmäßige Bänder geführt wird, zeigt Tagliatelle selber machen.
Gebrochen (Pasta spezzata). Ein Teigblatt wird zuerst getrocknet und dann mit den Händen zerbrochen. Die Bruchkanten sind rau und splittrig, die Stücke ungleich dick. Diese Variante ist haltbar wie getrocknete Pasta und braucht entsprechend länger im Topf.
Für den Hausgebrauch ist die geschnittene Variante die naheliegende: Sie entsteht ohnehin nebenbei, während das Brechen einen eigenen Trockengang voraussetzt. Der Grundteig ist derselbe wie für Bandnudeln – nachzulesen in Nudelteig selber machen.
Welche Größe wofür
Die Stücke sollen so groß sein, dass sie sich auf dem Löffel nicht verstecken und nicht darüber hinaushängen. Als Anhaltspunkt:
| Gericht | Empfohlene Stückgröße | Warum |
|---|---|---|
| Klare Brühe | 2 cm | passt mit Gemüse zusammen auf einen Löffel |
| Bohnen- und Kichererbsensuppe | 3 cm | ungefähr so groß wie die Bohnen selbst |
| Dicke Gemüsesuppe | 3–4 cm | trägt sich, ohne im Gemüse unterzugehen |
| Als eigenständige Pasta mit Sauce | 5 cm | groß genug, um Sauce zu tragen |
Innerhalb dieser Spanne darf und soll es ungleich bleiben. Wer alle Stücke gleich schneidet, hat keine Maltagliati mehr gemacht, sondern kleine Lasagneblätter – und den einzigen Vorteil dieser Sorte verschenkt, nämlich dass sie ohne Zusatzarbeit entsteht.

Wozu man sie isst
Maltagliati sind keine Sorte für glatte Saucen. Eine flache, unregelmäßige Fläche hält weder eine Sahnesauce noch ein feines Öl besonders gut – dafür sind Formen mit Rillen oder Wölbungen gemacht.
Ihre Rolle liegt woanders: in Suppen und Hülsenfruchtgerichten. Die Klassiker sind *pasta e fagioli* mit weißen Bohnen und *pasta e ceci* mit Kichererbsen, dazu Minestrone und einfache Gemüsesuppen. In diesen Gerichten legt sich das flache Teigstück um die Bohnen und trägt mit, statt sich davon zu trennen.
Praktisch heißt das: Maltagliati werden in der Suppe gegart, nicht getrennt vorgekocht. Sie kommen zwei bis drei Minuten vor dem Servieren in den Topf, geben dabei etwas Mehl ab und binden die Suppe leicht – was in diesen Gerichten ausdrücklich erwünscht ist.
Als eigenständiges Pastagericht funktionieren sie ebenfalls, dann aber mit einer Sauce, die Substanz hat: Ragù, Bohnen mit Rosmarin, geschmorte Pilze. Alles mit Stückchen, nichts Glattes.
Wie sie sich aufbewahren lassen
Frisch geschnitten halten sich Maltagliati auf einem mit Grieß bestäubten Brett einige Stunden, in der geschlossenen Schale auch über Nacht im Kühlschrank. Weil die Stücke flach sind und einzeln liegen, trocknen sie schneller an als ein Nudelnest – was hier von Vorteil ist.
Zum längeren Aufbewahren einfrieren: einzeln nebeneinander auf einem Brett anfrieren, dann in einen Beutel, direkt aus dem gefrorenen Zustand in die Suppe. Sammeln lohnt sich – die Reste von drei Ravioli-Abenden ergeben eine Portion.
Häufige Fragen zu Maltagliati
Was sind Maltagliati genau?
Unregelmäßig geschnittene Stücke aus frischem Nudelteig, meist die Ränder und Reste, die beim Ausrollen und beim Zuschneiden anderer Pastaformen anfallen. Der Name bedeutet wörtlich „schlecht geschnitten“. Trotz der Herkunft als Rest gelten sie in der Emilia-Romagna als eigene Sorte mit fester Verwendung in Suppen und Hülsenfruchtgerichten.
Wie groß sollten Maltagliati sein?
Je nach Gericht zwischen 2 und 5 cm. Für klare Brühe eher klein, für Bohnen- und Kichererbsensuppen etwa so groß wie die Bohnen selbst, als eigenständige Pasta mit Sauce am größten. Innerhalb dieser Spanne sollen die Stücke ausdrücklich ungleich bleiben.
Garen unterschiedlich große Maltagliati unterschiedlich schnell?
Nein, das ist ein verbreitetes Missverständnis. Über die Garzeit entscheidet die Teigdicke, und die ist bei allen Stücken aus derselben Bahn gleich. Ungleichmäßig wird es nur dort, wo ein Stück beim Ablegen umgeschlagen ist – dann liegt doppelte Teigstärke, und diese Stelle bleibt fest.
Wie lange kochen frische Maltagliati?
Zwei bis drei Minuten, wie andere frische Pasta aus dünn ausgerollter Bahn auch. In Suppen kommen sie erst kurz vor dem Servieren in den Topf und garen direkt darin mit. Getrocknete oder gebrochene Ware braucht deutlich länger.
Was ist der Unterschied zwischen Maltagliati und Pasta spezzata?
Die Herstellung. Maltagliati werden aus weichem Teig geschnitten, haben glatte Kanten und bleiben flach. Pasta spezzata entsteht dadurch, dass ein getrocknetes Teigblatt mit den Händen zerbrochen wird – die Kanten sind rau, die Stücke ungleich dick, und die Ware ist haltbar wie getrocknete Pasta.
Kann man Teigreste stattdessen einfach nochmal ausrollen?
Man kann, aber das Ergebnis ist schlechter. Zusammengeknetete Reste haben bereits Struktur verloren und reißen beim erneuten Ausrollen leichter ein, und die zweite Bahn wird ungleichmäßiger als die erste. Als Maltagliati verwendet, ist derselbe Teig ohne jeden Zusatzaufwand am besten aufgehoben.
Welche Sauce passt zu Maltagliati?
Alles mit Substanz: Bohnen, Kichererbsen, Gemüse in Stücken, Fleischragù. Glatte, dünnflüssige Saucen sind bei dieser Form verschenkt, weil eine flache Fläche sie nicht hält. Ihre eigentliche Heimat sind Suppen, in denen sie mitgaren und die Flüssigkeit leicht binden.
Kann man Maltagliati einfrieren?
Ja, und das ist die praktischste Art, Reste zu sammeln. Die Stücke einzeln nebeneinander auf einem mit Grieß bestäubten Brett anfrieren, danach in einen Beutel füllen. Gekocht wird direkt aus dem gefrorenen Zustand, mit einer Minute Aufschlag.
Rezepte zum Weiterlesen
01Herbstliche Gemüsesuppe mit weißen Bohnen und Pasta
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Zum Rezept📌 Für wen ist dieser Ratgeber ideal? Für alle, die nach dem ersten selbst gemachten Ravioli-Abend vor einem Haufen Teigreste standen und nicht wussten, ob man den wegwirft, noch einmal ausrollt oder tatsächlich essen kann.
Was ihn besonders macht: Hier steht, warum die verbreitete Erklärung mit der „interessanten Textur durch ungleiche Stücke“ nicht stimmt – über die Garzeit entscheidet die Dicke, nicht die Größe – und was stattdessen wirklich ungleichmäßig gart. Dazu eine Größentabelle nach Gericht und die klare Trennung zwischen geschnittener und gebrochener Pasta.
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Was passiert bei Ihnen mit den Teigrändern – Müll, zweite Bahn oder Suppe? Schreiben Sie es gern unten in die Kommentare. Interessant sind auch Familienrezepte, in denen der Verschnitt schon immer eine feste Rolle hatte.
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