Süße Taralli mit Weißwein und Zucker (Taralli dolci)
Fast jeder kennt die herzhaften Knabber-Taralli. Doch in Apulien gibt es eine süße Schwester, die zu Kaffee und Wein gehört – mit einer feinen Zuckerkruste und einem Hauch Zitrone.
Was süße Taralli dolci sind
Süße Taralli, in Italien Taralli dolci genannt, sind die zuckrige Variante der berühmten apulischen Teigkringel. Während die herzhafte Version mit Salz und Fenchel zum Aperitivo gereicht wird, gehören die süßen Taralli zum Kaffee, zum Tee oder zu einem Glas Dessertwein. Sie stammen aus derselben Tradition Süditaliens, in der aus wenigen einfachen Zutaten kleine, haltbare Backwaren entstehen, die man das ganze Jahr über im Vorrat hat.
Der Reiz der süßen Taralli liegt in ihrer feinen, mürben Textur und der zarten Süße. Der Teig aus Mehl, Weißwein, Olivenöl, Ei und Zucker wird zu kleinen Ringen von etwa vier Zentimetern geformt, mit der Oberseite in Zucker gedrückt und hell gebacken. Dabei backt der Zucker fest in die Oberfläche ein: Oben entsteht eine sandige, knusprige Kruste, während die Kringel darunter zart und mürbe bleiben. Ein Hauch Zitronenschale gibt ihnen eine frische Note, die die Süße schön ausbalanciert.

Der Teig: Weißwein, Öl, Ei und Zucker
Wie bei den herzhaften Taralli bildet auch hier ein Teig aus Mehl, Weißwein und Olivenöl die Grundlage – ergänzt durch Ei und Zucker, die aus den knusprigen Kringeln ein feines, mürbes Gebäck machen. Der Weißwein ist dabei nicht nur Aroma-Geber: Er macht den Teig geschmeidig und locker, und sein feiner Geschmack bleibt auch nach dem Backen erhalten, während der Alkohol vollständig verfliegt.
Das Ei bindet den Teig und sorgt zusammen mit dem Zucker für die zarte, leicht bröselige Konsistenz, die typisch für süße Taralli ist. Das Olivenöl – oder ersatzweise ein mildes Pflanzenöl – hält das Gebäck saftig und gibt ihm seinen mediterranen Charakter. Etwas abgeriebene Zitronenschale rundet den Teig ab. Wer mag, ersetzt sie durch Orangenschale oder eine Prise Anis, ganz nach regionaler Vorliebe.
Eine Prise Backpulver lockert den Teig zusätzlich, sodass die Kringel beim Backen leicht aufgehen und mürbe werden. Der Teig ist bewusst knapp an Flüssigkeit gehalten und wirkt in der Schüssel zunächst krümelig – das ist richtig so. Erst nach zwei bis drei Minuten Kneten geht er zu einer glatten, geschmeidigen Kugel zusammen. Bleibt er danach immer noch trocken und rissig, hilft esslöffelweise etwas Weißwein; zu langes Kneten würde ihn dagegen zäh machen. Anschließend darf er kurz ruhen, damit er sich besser formen lässt und die Kringel ihre Form gut halten.
Warum süße Taralli nicht gekocht werden
Ein wichtiger Unterschied zur herzhaften Variante: Süße Taralli werden nicht vorgekocht, sondern direkt gebacken. Bei den herzhaften Kringeln sorgt das kurze Kochen für die glatte, harte Kruste und den knackigen Biss. Bei den süßen ist genau das nicht gewollt – hier soll das Gebäck mürbe und zart sein, fast wie ein feines Mürbegebäck.
Durch Ei und Zucker im Teig und das direkte Backen bekommen die süßen Taralli ihre charakteristische Textur: außen leicht knusprig, innen zart. Sie werden bei mittlerer Hitze – 175 Grad reichen völlig – nur so lange gebacken, bis sie fest sind und die Ränder gerade hellgolden anlaufen. Dunkel werden dürfen sie nicht: Die Kringel behalten ihre blasse, strohgelbe Farbe, und auch die Zuckerschicht oben soll hell bleiben, damit sie nicht bitter karamellisiert. Wer die beiden Varianten nebeneinander probiert, versteht schnell, wie unterschiedlich zwei Gebäcke aus fast derselben Grundidee schmecken können.
Zuckerkruste oder Zuckerglasur
Die klassische Art, süße Taralli zu vollenden, ist die Zuckerkruste – und die entsteht vor dem Backen, nicht danach. Dafür wird die Oberseite jedes rohen Kringels kurz in etwas Weißwein oder Wasser getaucht und dann in feinen Kristallzucker gedrückt. Im Ofen backt der Zucker fest in die Oberfläche ein und bildet eine sandige, leicht rissige Schicht, die beim Abkühlen knusprig wird und später nicht abrieselt. Typisch ist dabei, dass nur die Oberseite gezuckert ist: Seiten und Boden bleiben glatt und blass, und genau dieser Kontrast macht das Aussehen aus. Wer die Kringel stattdessen erst nach dem Backen im Zucker wendet, bekommt eine lose Zuckerschicht ringsum, die zum Großteil in der Dose liegen bleibt.
Grober Zucker eignet sich dafür übrigens nicht – Hagelzucker liegt in einzelnen dicken Körnern auf und springt beim Abkühlen ab. Feiner Kristallzucker ergibt die dichte, gleichmäßige Kruste, die man von den Kringeln aus apulischen Bäckereien kennt.
In manchen Regionen Apuliens werden die süßen Taralli stattdessen mit einer weißen Zuckerglasur überzogen. Dafür backt man die Kringel ohne Zucker, rührt Puderzucker mit etwas Zitronensaft oder Wasser glatt und wendet die ausgekühlten Ringe darin, bis sie mit einer dünnen, weißen Schicht überzogen sind. Beide Varianten sind traditionell und schmecken wunderbar – die Zuckerkruste ist etwas rustikaler und matt, die Glasur festlicher, glänzender und süßer. Für welche man sich entscheidet, ist reine Geschmackssache.
Süße Taralli in der apulischen Küche
In Apulien haben süße Taralli einen festen Platz in der Backtradition. Sie gehören zu jenen einfachen, haltbaren Gebäcken, die früher in vielen Haushalten auf Vorrat gebacken wurden – für die kalte Jahreszeit, für Feiertage und für den Besuch, der unangekündigt vor der Tür stehen konnte. Weil sie ohne teure Zutaten auskommen und sich lange halten, waren sie über Generationen ein Gebäck des Alltags und der Feste zugleich.
Besonders zu festlichen Anlässen wie Weihnachten, Ostern oder Familienfeiern werden die süßen Kringel gern gebacken und in großen Mengen bereitgehalten. Oft entstehen sie gemeinsam in der Familie, wo mehrere Hände Stränge rollen und zu Ringen formen. Dieses gemeinschaftliche Backen gehört ebenso zur Tradition wie das Gebäck selbst – und macht die süßen Taralli zu einem kleinen Stück gelebter süditalienischer Kultur.
Die Kringel formen
Das Formen der süßen Taralli ist unkompliziert und geht mit ein wenig Übung schnell von der Hand. Vom Teig werden walnussgroße Stücke von etwa zehn Gramm abgenommen und zu Strängen von acht bis zehn Zentimetern Länge und rund einem Zentimeter Stärke gerollt. Diese werden zu Ringen geschlossen, indem man die Enden leicht übereinanderlegt und andrückt. Genau dieses Übereinanderlegen ergibt den kleinen Absatz an der Seite, an dem man handgeformte Taralli erkennt – ein stumpf aneinandergesetzter Ring sieht deutlich glatter und langweiliger aus.
Wichtig ist das Format: Die fertigen Kringel sind klein, etwa vier Zentimeter im Durchmesser, mit einem Loch von der Größe eines Daumennagels. Aus 400 Gramm Mehl werden dadurch rund siebzig Stück, die in zwei bis drei Durchgängen gebacken werden – wer mit einer kleineren Menge anfangen möchte, halbiert die Zutaten einfach. Am besten arbeitet man mit gleich großen Teigstücken, damit alle Kringel gleichmäßig backen. Perfekt aussehen müssen sie nicht; gerade die leicht unregelmäßige, handgemachte Form macht ihren rustikalen Charme aus. Auf dem Blech sollten sie mit etwas Abstand liegen, denn sie gehen beim Backen leicht auf.

Varianten: Zitrone, Orange, Anis und mehr
Süße Taralli lassen sich vielfältig abwandeln, ohne dass sich am Grundrezept viel ändert. Die abgeriebene Zitronenschale im Teig ist die klassische Variante und gibt eine frische, helle Note. Ebenso schön ist Orangenschale, die etwas wärmer und runder schmeckt. Wer die süditalienische Tradition liebt, gibt eine Prise Anis oder ein paar Anissamen in den Teig – ein Aroma, das eng mit dem Gebäck der Region verbunden ist.
Auch beim Wein gibt es Spielraum: Ein trockener Weißwein ist klassisch, ein lieblicher Wein macht die Taralli etwas süßer und weicher. Für eine festliche Note kann man die fertigen Kringel zusätzlich mit bunten Zuckerstreuseln verzieren, solange die Glasur noch feucht ist. So entsteht aus einem einfachen Grundrezept eine ganze Reihe kleiner Gebäcke für unterschiedliche Anlässe und Jahreszeiten.
Aufbewahren und servieren
Süße Taralli sind ein ideales Vorrats-Gebäck. In einer gut schließenden Dose halten sie sich mehrere Wochen frisch und mürbe, ohne an Geschmack zu verlieren. Damit sind sie perfekt zum Vorbereiten – etwa für Feiertage, für Besuch oder als selbst gemachtes Mitbringsel, das immer Freude macht.
Am schönsten schmecken sie zu einer Tasse Espresso oder Cappuccino, zum Nachmittagstee oder zu einem Glas süßem Dessertwein, in den man sie – ganz nach italienischer Art – kurz eintauchen kann. Auf einer Etagere mit anderem Kleingebäck machen sie ebenso eine gute Figur. So bringen die süßen Taralli ein Stück süditalienische Backtradition auf den heimischen Tisch.

Was ist der Unterschied zwischen süßen und herzhaften Taralli?
Herzhafte Taralli werden mit Salz und oft Fenchel gewürzt, vorgekocht und dann gebacken – sie sind knusprig-hart. Süße Taralli enthalten Ei und Zucker, werden direkt gebacken und bekommen oben eine eingebackene Zuckerkruste – sie sind mürbe und zart.
Wie viele Taralli ergibt das Rezept?
Aus 400 Gramm Mehl werden rund siebzig kleine Kringel von etwa vier Zentimetern Durchmesser. Dafür sind zwei bis drei Bleche nötig. Für eine kleinere Menge lassen sich alle Zutaten problemlos halbieren.
Warum kommt Weißwein in den Teig?
Der Weißwein macht den Teig geschmeidig und locker und gibt ein feines Aroma. Der Alkohol verfliegt beim Backen vollständig.
Wann kommt der Zucker auf die Taralli?
Vor dem Backen. Die Oberseite der rohen Kringel wird kurz angefeuchtet und in feinen Kristallzucker gedrückt – so backt der Zucker fest ein. Nachträglich aufgestreuter Zucker haftet nicht und rieselt später ab.
Kann man die süßen Taralli auch glasieren?
Ja. Statt der eingebackenen Zuckerkruste kann man die Kringel ohne Zucker backen und die ausgekühlten Ringe mit einer Glasur aus Puderzucker und etwas Zitronensaft oder Wasser überziehen – beides ist in Apulien üblich.
Wie lange halten sich süße Taralli?
In einer gut schließenden Dose bleiben sie mehrere Wochen frisch und mürbe – ideal zum Vorbereiten und Verschenken.
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Süße Taralli mit Weißwein und Zucker (Taralli dolci)
Kochutensilien
- Backblech (2 bis 3 Durchgänge)
- Backpapier
- Teller mit Zucker (zum Eintauchen der Oberseite)
- Kuchengitter
Zutaten
Für den Teig
- 400 g Mehl (Type 405)
- 100 g Zucker
- 1 Ei
- 80 ml trockener Weißwein (bei Bedarf 1 bis 2 EL mehr)
- 80 ml Olivenöl (oder mildes Pflanzenöl)
- 1 Bio-Zitrone (abgeriebene Schale)
- 1 TL Backpulver
- 1 Prise Salz
Für die Zuckerkruste
- 80 g Zucker (feiner Kristallzucker)
- 3 EL Weißwein (oder Wasser, zum Anfeuchten)
Anleitungen
- Teig kneten: Mehl, Zucker, Backpulver und Salz mischen. Ei, Weißwein, Olivenöl und die abgeriebene Zitronenschale zugeben und alles verkneten. Der Teig wirkt anfangs krümelig und geht erst nach zwei bis drei Minuten Kneten zu einer glatten, geschmeidigen Kugel zusammen; bleibt er zu trocken, esslöffelweise Weißwein zugeben. Zugedeckt 30 Minuten ruhen lassen.
- Kringel formen: Vom Teig etwa walnussgroße Stücke von rund 10 g abnehmen und zu Strängen von 8 bis 10 cm (3 bis 4 in) Länge und etwa 1 cm Stärke rollen. Die Enden leicht übereinanderlegen und andrücken, sodass ein kleiner Ring von etwa 4 cm (1,5 in) mit einem daumennagelgroßen Loch entsteht. Aus der gesamten Teigmenge werden so rund 70 Kringel. Die Ringe mit Abstand auf mit Backpapier belegte Bleche setzen.
- Oberseite zuckern: Den Zucker auf einen flachen Teller geben. Jeden Kringel mit der Oberseite kurz in den Weißwein tauchen, kurz abtropfen lassen und die feuchte Seite in den Zucker drücken, sodass sie dicht bedeckt ist. Die Kringel mit der Zuckerseite nach oben zurück aufs Blech setzen. Nur die Oberseite zuckern – Seiten und Boden bleiben hell.
- Backen & auskühlen: Den Ofen auf 175 °C (347 °F) Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Taralli je Blech 18 bis 22 Minuten backen, bis sie fest sind und nur am Rand hellgolden werden; die Zuckerschicht soll hell bleiben und darf nicht bräunen. Kurz auf dem Blech anziehen lassen, dann auf einem Kuchengitter vollständig auskühlen lassen – so werden sie außen knusprig und innen mürbe.

Notizen
Nährwerte
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📌 Für wen ist dieses Rezept ideal? Für alle, die ein feines, haltbares Weingebäck aus Süditalien selbst backen möchten – zum Kaffee, Tee oder Dessertwein. Die süßen Taralli lassen sich wunderbar vorbereiten und verschenken.
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