Bauernbrot mit Sauerteig – helles Weizenbrot mit Roggen-Anstellgut

Helles Sauerteigbrot

Ein Laib, der ohne ein einziges Gramm Hefe auskommt und trotzdem hell, mild und locker bleibt.

28. August 2026
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Bauernbrot mit Sauerteig – helles Weizenbrot mit Roggen-Anstellgut, ohne Hefe

Sauerteigbrot muss säuerlich schmecken? Dieser Laib beweist das Gegenteil. Er wird in drei Stufen geführt, und genau das nimmt der Säure die Schärfe, ohne dem Teig die Triebkraft zu nehmen.


Ein Bauernbrot lebt von einem Widerspruch: Es soll kräftig duften, aber nicht sauer schmecken. Es soll ohne Hefe aufgehen, aber nicht kompakt aus dem Ofen kommen. Bei nur 16 Gramm Anstellgut auf mehr als ein halbes Kilo Mehl klingt das nach zu wenig Triebkraft — und genau deshalb wird der Sauerteig hier nicht in einem Rutsch angesetzt, sondern in drei Stufen aufgebaut. Jede Stufe hat eine eigene Aufgabe, und wer sie kennt, versteht auch, warum dieses Brot hell bleibt statt dunkel und mild statt scharf.

Angeschnittener Laib Bauernbrot mit Sauerteig neben zwei Scheiben mit feinporiger Krume
Feinporige, gleichmäßige Krume mit dunklen Kleiesprenkeln aus Vollkorn- und Roggenmehl

Drei Stufen, drei Aufgaben – warum dieses Brot nicht in einem Schritt entsteht

Die Rechnung ist simpel und trotzdem der Kern des ganzen Rezepts. In der ersten Stufe treffen 16 Gramm Anstellgut auf 70 Gramm Mehl und 70 Gramm Wasser. In der zweiten Stufe kommen 122 Gramm Mehl dazu, in der dritten weitere 353 Gramm. Die Mehlmenge, die der Kultur zur Verfügung steht, wächst also von 8 auf 78, dann auf 200 und schließlich auf 553 Gramm — jede Stufe stellt der Kultur rund das Zweieinhalbfache der vorherigen Menge hin.

Für die Hefen im Sauerteig bedeutet das dreimal frisches Futter und dreimal eine Verdopplungsphase. Ihre Zahl steigt bei jeder Stufe. Die Säuren dagegen werden bei jeder Fütterung verdünnt, weil sie mit dem alten Teig mitwandern, aber nicht mitwachsen. Am Ende sitzen im Hauptteig nur knapp drei Prozent ursprüngliches Anstellgut — und das ist der ganze Trick hinter einem Brot, das kräftig getrieben und trotzdem mild ist.

Wer stattdessen 150 Gramm Anstellgut direkt in den Hauptteig gibt, bekommt Triebkraft und Säure im selben Löffel. Das Brot geht auf, schmeckt aber deutlich schärfer und wird in der Krume grauer. Die drei Stufen kosten Zeit, aber fast keine Arbeit: Zusammenrühren dauert jeweils zwei Minuten, den Rest erledigt die Uhr.


26 Grad sind der eigentliche Hebel – nicht die Uhrzeit

Im Rezept stehen 8 Stunden für die erste und 4 Stunden für die zweite Stufe. Diese Zahlen gelten für 26 °C (79 °F) — und nur dafür. Steht die Schüssel in einer 20 Grad kühlen Küche, verschieben sich beide Zeiten deutlich nach hinten: Aus 8 Stunden werden schnell 10 bis 12. Wer stur nach der Uhr arbeitet, verarbeitet einen halbfertigen Sauerteig und wundert sich über ein flaches Brot.

Die Temperatur entscheidet aber nicht nur über das Tempo, sondern auch über den Geschmack. Warm geführte Sauerteige schmecken milchig-mild, ähnlich wie Naturjoghurt. Kühl und langsam geführte Ansätze entwickeln dagegen die spitze, essigartige Note, die viele mit Sauerteig verbinden. 26 Grad sind deshalb kein Komfortwert, sondern die Stellschraube für den Charakter dieses Brotes.

Zu Hause bekommt man sie ohne Spezialgerät hin: im ausgeschalteten Backofen mit eingeschaltetem Licht, im Ofen neben einer Schüssel mit heißem Wasser oder schlicht auf dem Kühlschrank, wo die Abwärme steht. Ein einfaches Thermometer neben der Schüssel sagt mehr als jedes Bauchgefühl.

Woran erkennt man den Höhepunkt? Der Ansatz hat sein Volumen mindestens verdoppelt, die Oberfläche wölbt sich leicht nach oben und ist von Blasen durchsetzt, und der Geruch erinnert an Joghurt und Apfel. Sobald die Mitte einzusinken beginnt, ist der Höhepunkt überschritten — dann bringt der Sauerteig weniger Trieb und mehr Säure mit.


Die 20 Gramm Wasser, die im Messbecher bleiben

Im Hauptteig stehen 190 Gramm Wasser — aber 20 davon gehören zunächst nicht in die Schüssel. Das ist kein Detail für Fortgeschrittene, sondern eine Versicherung gegen die größte Unbekannte beim Brotbacken: das Mehl. Zwei Packungen Type 550 aus verschiedenen Mühlen können sich in der Wasseraufnahme um mehrere Prozent unterscheiden, und ein feuchter Lagerraum verschiebt das Ergebnis noch einmal.

Der Teig startet dadurch bei knapp 67 Prozent Wasseranteil und landet, wenn alles hineingeknetet wird, bei gut 70 Prozent. Das ist genau der Bereich, in dem die Krume auf dem Foto entsteht: feinporig und gleichmäßig, saftig, aber ohne die großen Löcher eines sehr weichen Teiges. Die restlichen 20 Gramm kommen erst zusammen mit dem Salz dazu — esslöffelweise und nur so lange, wie sich der Teig noch fest und störrisch anfühlt.

Danach wird mindestens fünf Minuten geknetet. Der Teig ist während dieser Zeit klebrig und wenig einladend, das gehört dazu. Das Signal zum Aufhören ist nicht die Stoppuhr, sondern die Oberfläche: Sie wird glatt, bekommt einen leichten Glanz und der Teig löst sich vom Schüsselrand, statt daran zu haften.


Neun Prozent Roggen – und warum das Brot trotzdem ein helles Weizenbrot ist

Rechnet man das Anstellgut mit, stecken in diesem Laib rund 51 Gramm Roggen auf 553 Gramm Mehl — etwas mehr als neun Prozent. Nach den deutschen Leitsätzen für Brot ist das noch ein Weizenbrot; erst ab zehn Prozent Roggenanteil beginnt offiziell das Weizenmischbrot. Praktisch bedeutet das: Dieses Brot sieht innen hell aus, schneidet sich wie ein Weizenbrot und hat nichts von der dichten, feuchten Krume eines echten Roggenbrots.

Warum dann überhaupt Roggen? Zwei Gründe, und beide sind auf dem Anschnitt zu sehen. Der erste ist Aroma: Roggenvollkornmehl bringt eine erdige, leicht malzige Tiefe mit, die reines Weizenmehl nicht liefert. Der zweite ist Haltbarkeit. Roggenmehl bindet Wasser wie ein Schwamm und gibt es beim Lagern nur langsam wieder ab — deshalb ist dieses Brot am dritten Tag noch angenehm saftig, während ein reines Weizenbrot in derselben Zeit trocken und krümelig wird.

Die 32 Gramm Weizenvollkornmehl in der zweiten Stufe erfüllen eine dritte Aufgabe: Sie sind für die feinen dunklen Sprenkel verantwortlich, die in der Krume sitzen. Ohne sie wäre der Anschnitt gleichmäßig beige und deutlich langweiliger.


Formen, Körbchen, Schnitte: wo der Laib seine Form bekommt

Nach 90 Minuten Stockgare mit zwei Faltvorgängen wird geformt, und hier entscheidet sich die spätere Silhouette. Der Teig wird zu einem Rechteck von etwa 20 × 25 cm (8 × 10 in) gedrückt, das obere Drittel zur Mitte gefaltet, das untere darübergeklappt und dann von oben straff aufgerollt. Die Naht wird mit dem Handballen verschlossen — dieser Verschluss hält später den Druck des Ofentriebs aus. Fertig ist ein länglicher Laib von rund 26 cm (10 in).

Das Gärkörbchen bekommt ein Leinentuch als Einlage, großzügig mit Roggenmehl eingerieben. Genau daher stammt die gleichmäßig helle, mehlige Oberfläche auf dem Foto: kein Ringmuster, keine kahlen Stellen, sondern ein durchgehender Mehlfilm, der beim Backen als heller Kontrast zu den aufgerissenen Stellen stehen bleibt.

Und die Schnitte sind kein Dekor, sondern Ventile. Ein ungeschnittener Laib reißt dort auf, wo die Kruste am dünnsten ist — meist seitlich unten und unkontrolliert. Mit sechs bis acht Schnitten in zwei versetzten Reihen, schräg zur Längsachse geführt, verteilt sich der Druck über die ganze Oberfläche. Wichtig ist die Klingenhaltung: fast flach, nicht senkrecht, etwa 1 cm (⅜ in) tief und in einer einzigen zügigen Bewegung. Eine senkrecht geführte Klinge schneidet einen Spalt, eine flach geführte hebt eine Lippe an — und nur diese Lippe stellt sich im Ofen zu den goldbraunen Kanten auf, die den Laib auf dem Bild prägen.


Dampf, Hitzeabfall und der Moment, in dem die Kruste entsteht

Der Ofen wird mitsamt Backstein oder umgedrehtem Backblech 45 Minuten auf 240 °C (464 °F) vorgeheizt. Diese Vorlaufzeit ist nicht verhandelbar: Ein Stein, der nur zehn Minuten heizt, ist außen heiß und innen kalt und gibt dem Brot in der entscheidenden ersten Minute zu wenig Energie von unten.

Die ersten 10 Minuten backt der Laib mit Dampf. Der feuchte Ofen hält die Teighaut geschmeidig, sodass sie sich dehnen kann, statt vorzeitig zu verhärten — nur so öffnen sich die Schnitte vollständig. Für den Dampf reicht eine gusseiserne Pfanne, die von Anfang an auf dem Ofenboden mitheizt und beim Einschießen 100 ml kochendes Wasser aufnimmt.

Nach genau 10 Minuten muss der Dampf weg. Die Ofentür weit öffnen, die Wasserpfanne herausnehmen, auf 200 °C (392 °F) reduzieren und weitere 30 Minuten backen. Bleibt die Feuchtigkeit im Ofen, wird die Kruste blass und ledrig statt tief goldbraun und rösch. Fertig ist das Brot, wenn der Boden beim Klopfen hohl klingt und die Kerntemperatur bei 96 bis 98 °C (205–208 °F) liegt.

Dann folgt der schwerste Teil: mindestens zwei Stunden auf dem Gitter auskühlen lassen. Die Krume ist beim Herausnehmen noch nicht fertig, sie festigt sich erst beim Abkühlen. Wer warm anschneidet, zieht das Messer durch eine klebrige Masse und ruiniert das Ergebnis von anderthalb Tagen.

Bemehlter ovaler Laib Bauernbrot mit Sauerteig mit schräg gesetzten Einschnitten von oben
Bemehlter ovaler Laib Bauernbrot mit Sauerteig mit schräg gesetzten Einschnitten von oben

Häufige Fragen

Kann man das Bauernbrot mit Sauerteig auch mit einem Weizen-Anstellgut backen?

Ja, ohne Änderung an den Mengen. Die erste Stufe wird ohnehin mit Weizenmehl gefüttert, der Unterschied ist also klein. Ein Roggen-Anstellgut bringt etwas mehr erdige Tiefe mit, ein Weizensauerteig macht das Brot noch eine Spur milder und heller.

Warum bleibt das Bauernbrot mit Sauerteig flach?

In den meisten Fällen war der Sauerteig in Stufe eins noch nicht auf dem Höhepunkt oder schon darüber hinaus. Prüfen Sie vor dem Weiterarbeiten die Wölbung und den Geruch statt nur die Uhr. Zweithäufigste Ursache ist eine zu lange Stückgare: Federt die Fingerdelle gar nicht mehr zurück, ist der Laib übergar und fällt im Ofen zusammen.

Warum schmeckt das Bauernbrot mit Sauerteig zu sauer?

Dann standen die Vorstufen zu lange oder zu kühl. Kühle, lange Führungen verschieben den Geschmack in Richtung Essig, warme in Richtung Joghurt. Halten Sie die 26 °C (79 °F) ein und verarbeiten Sie beide Stufen, sobald sie ihren Höhepunkt erreicht haben — nicht Stunden später.

Geht das Bauernbrot mit Sauerteig auch ohne Gärkörbchen?

Ja. Ein ovales Sieb, eine schmale Auflaufform oder eine Schüssel funktionieren, sofern ein gut bemehltes Leinen- oder Geschirrtuch hineingelegt wird. Wichtig ist nur, dass die Form den Laib seitlich stützt, damit er in der Stückgare in die Höhe geht statt in die Breite.

Kann man das Bauernbrot mit Sauerteig im gusseisernen Topf backen?

Das funktioniert gut und ersetzt den Dampf. Den Topf mit Deckel auf 240 °C (464 °F) vorheizen, den Laib hineingleiten lassen und 10 Minuten geschlossen backen. Danach den Deckel abnehmen, auf 200 °C (392 °F) reduzieren und die restlichen 30 Minuten offen fertig backen.

Kann man den Hauptteig für das Bauernbrot mit Sauerteig über Nacht kalt stellen?

Ja, allerdings nach dem Formen. Der Laib kommt im Körbchen abgedeckt für 8 bis 12 Stunden in den Kühlschrank und wird direkt aus der Kälte eingeschnitten und gebacken. Die Krume wird dadurch etwas feinporiger und der Geschmack eine Spur kräftiger.


Aufbewahrung

Ausgekühltes Bauernbrot wird mit der Schnittfläche nach unten auf ein Brett gestellt und mit einem Leinentuch abgedeckt. In einem Brottopf aus Ton oder in einem Leinenbeutel hält es sich bei Raumtemperatur vier bis fünf Tage, ohne dass die Kruste weich wird. Plastikbeutel sind der sicherste Weg zu einer zähen Rinde und sollten die Ausnahme bleiben.

Der Kühlschrank ist der schlechteste Lagerort: Bei 4 bis 7 °C (39–45 °F) altert Brot schneller als bei Raumtemperatur und schmeckt schon am zweiten Tag muffig. Für längere Lagerung den Laib in Scheiben schneiden und portionsweise einfrieren — dort hält er sich bis zu drei Monate und lässt sich gefroren direkt in den Toaster geben.

Ein ganzer, leicht trockener Laib wird wieder wie frisch, wenn er kurz mit Wasser besprüht und für 8 bis 10 Minuten bei 180 °C (356 °F) in den Ofen kommt. Diese Auffrischung funktioniert allerdings nur einmal — danach wird das Brot rasch krümelig.


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Bemehlter ovaler Laib Bauernbrot mit Sauerteig mit schräg gesetzten Einschnitten von oben

Bauernbrot mit Sauerteig – helles Weizenbrot mit Roggen-Anstellgut, ohne Hefe

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Ein länglicher Laib aus dreistufig geführtem Sauerteig: hell, feinporig und mild im Geschmack, mit gut neun Prozent Roggen für Aroma und Frischhaltung. Ganz ohne Backhefe, mit Dampf gebacken.
Portionen 16 Scheiben
Vorbereitungszeit 40 Minuten
Zubereitungszeit 40 Minuten
Reife-, Gär- und Auskühlzeit 17 Stunden 15 Minuten
Gesamtzeit 18 Stunden 35 Minuten

Kochutensilien

  • Digitale Küchenwaage (auf 1 g genau)
  • große Rührschüssel
  • Küchenmaschine mit Knethaken (optional; Kneten von Hand funktioniert ebenso)
  • Ovales Gärkörbchen (für ca. 1 kg Teig; ca. 28 × 13 cm / 11 × 5 in)
  • Leinentuch (zum Auskleiden des Gärkörbchens)
  • Backstein oder Backblech (zum Vorheizen im Ofen)
  • Bäckerklinge (oder eine neue Rasierklinge)
  • Gusseiserne Pfanne (als Wasserschale für den Dampf)
  • Kuchengitter
  • Einstichthermometer (optional; für die Kerntemperatur)

Zutaten
  

Stufe 1: Sauerteig (am Vorabend)

  • 16 g Roggen-Anstellgut (aktiv; 100 % Hydratation)
  • 70 g Wasser (lauwarm; ca. 26 °C / 79 °F)
  • 70 g Weizenmehl (Type 550; ersatzweise Type 405)

Stufe 2: Vorteig (am Morgen)

  • Sauerteig (vollständig; aus Stufe 1, auf dem Höhepunkt)
  • 122 g Wasser (lauwarm)
  • 90 g Weizenmehl (Type 550)
  • 32 g Weizenvollkornmehl (fein gemahlen)

Stufe 3: Hauptteig

  • Vorteig (vollständig; aus Stufe 2)
  • 190 g Wasser (lauwarm; davon 20 g zurückhalten und erst beim Kneten nach Bedarf zugeben)
  • 310 g Weizenmehl (Type 550)
  • 43 g Roggenvollkornmehl (fein gemahlen)
  • 10 g Salz (fein)

Zum Bemehlen

  • 30 g Roggenmehl (Type 1150 oder Reismehl; für Leinentuch und Arbeitsfläche)

Anleitungen
 

STUFE 1: SAUERTEIG ANSETZEN (AM VORABEND)

  • 16 g aktives Roggen-Anstellgut mit 70 g lauwarmem Wasser in einer kleinen Schüssel glatt rühren. 70 g Weizenmehl Type 550 zugeben und zu einem zähen, klümpchenfreien Brei verrühren.
  • Abgedeckt 8 Stunden bei 26 °C (79 °F) reifen lassen. In einer kühleren Küche mit 20–22 °C (68–72 °F) dauert es 10 bis 12 Stunden. Der Sauerteig steht auf dem Höhepunkt, wenn er sein Volumen mindestens verdoppelt hat, die Oberfläche gewölbt und blasig ist und er nach Joghurt und Apfel duftet.

STUFE 2: VORTEIG ANSETZEN (AM MORGEN)

  • Den gesamten Sauerteig mit 122 g lauwarmem Wasser verrühren, bis er sich vollständig löst. 90 g Weizenmehl Type 550 und 32 g Weizenvollkornmehl zugeben und zu einem weichen, gleichmäßigen Teig vermengen.
  • Abgedeckt 4 Stunden bei 26 °C (79 °F) reifen lassen. Der Vorteig ist bereit, wenn er sichtbar aufgegangen ist und die Oberfläche erste feine Risse zeigt.

STUFE 3: HAUPTTEIG UND STOCKGARE

  • Den gesamten Vorteig in eine große Schüssel geben. 170 g des Wassers zugeben, die restlichen 20 g bleiben zunächst im Messbecher. 310 g Weizenmehl Type 550 und 43 g Roggenvollkornmehl zugeben und nur so lange mischen, bis kein trockenes Mehl mehr zu sehen ist.
  • Die Schüssel abdecken und den Teig 30 Minuten bei Raumtemperatur ruhen lassen (Autolyse).
  • 10 g Salz über den Teig streuen und mindestens 5 Minuten kräftig kneten, von Hand oder in der Küchenmaschine auf Stufe 2. Das zurückgehaltene Wasser dabei esslöffelweise zugeben, solange sich der Teig noch fest anfühlt. Der Teig bleibt feucht und klebrig, wird gegen Ende aber glatt, leicht glänzend und löst sich vom Schüsselrand.
  • Den Teig abgedeckt 90 Minuten bei 26 °C (79 °F) gehen lassen. Nach 30 und nach 60 Minuten jeweils einmal falten: mit feuchten Händen unter eine Teigseite greifen, sie hochziehen und zur Mitte legen, die Schüssel um 90 Grad drehen und den Vorgang insgesamt viermal wiederholen.

FORMEN UND STÜCKGARE

  • Ein ovales Gärkörbchen mit einem Leinentuch auslegen und das Tuch großzügig mit Roggenmehl einreiben.
  • Den Teig auf die leicht bemehlte Arbeitsfläche geben und behutsam zu einem Rechteck von etwa 20 × 25 cm (8 × 10 in) drücken. Das obere Drittel zur Mitte falten, das untere darüberklappen, dann von oben her straff aufrollen und die Naht mit dem Handballen verschließen. Den Laib auf etwa 26 cm (10 in) Länge ausrollen.
  • Den Teigling mit der Naht nach oben in das Gärkörbchen legen, abdecken und 60 bis 90 Minuten bei Raumtemperatur gehen lassen. Er ist reif, wenn eine mit dem Finger eingedrückte Mulde nur langsam zurückfedert und eine leichte Vertiefung bleibt.

BACKEN UND AUSKÜHLEN

  • Rechtzeitig den Backofen mit Backstein oder umgedrehtem Backblech auf mittlerer Schiene und einer gusseisernen Pfanne auf dem Ofenboden 45 Minuten auf 240 °C (464 °F) Ober-/Unterhitze vorheizen.
  • Den Laib auf ein Stück Backpapier stürzen, sodass die glatte Seite oben liegt. Mit einer Bäckerklinge sechs bis acht Schnitte setzen: in zwei versetzten Reihen, schräg zur Längsachse, jeweils etwa 1 cm (⅜ in) tief und mit fast flach geführter Klinge in einer zügigen Bewegung.
  • Das Brot mit dem Backpapier auf den heißen Backstein ziehen, 100 ml kochendes Wasser in die gusseiserne Pfanne gießen und die Ofentür sofort schließen. 10 Minuten bei 240 °C (464 °F) backen.
  • Die Ofentür weit öffnen, den Dampf entweichen lassen, die Wasserpfanne herausnehmen und die Temperatur auf 200 °C (392 °F) reduzieren. Das Brot weitere 30 Minuten backen, bis die Kruste tief goldbraun ist, der Boden beim Klopfen hohl klingt und die Kerntemperatur 96–98 °C (205–208 °F) erreicht.
  • Das Brot auf ein Kuchengitter setzen und mindestens 2 Stunden vollständig auskühlen lassen, bevor es angeschnitten wird. Die Krume festigt sich erst beim Abkühlen.
    Fertig gebackenes Bauernbrot mit Sauerteig auf Backpapier, daneben zwei aufgeschnittene Scheiben

Notizen

Tipps:
  • Die Zeitangaben der Stufen 1 und 2 gelten für 26 °C (79 °F). Steht die Schüssel kühler, verlängern sich beide Reifezeiten deutlich. Entscheidend ist der Zustand, nicht die Uhr.
  • Beide Vorstufen auf dem Höhepunkt weiterverarbeiten. Sinkt die Mitte bereits ein, bringt der Ansatz weniger Trieb und mehr Säure mit.
  • 26 °C (79 °F) lassen sich im ausgeschalteten Backofen mit eingeschaltetem Licht oder neben einer Schüssel mit heißem Wasser halten.
  • Beim Einschneiden die Klinge fast flach führen. Eine senkrecht gehaltene Klinge schneidet nur einen Spalt, eine flach geführte hebt die typische Lippe an.
  • Der Laib ergibt gebacken rund 840 g.
Aufbewahrung: Ausgekühlt mit der Schnittfläche nach unten auf einem Brett, im Brottopf oder Leinenbeutel 4 bis 5 Tage bei Raumtemperatur. Nicht im Kühlschrank lagern. In Scheiben geschnitten bis zu 3 Monate haltbar im Tiefkühler.
Variationen: Mit einem Weizen-Anstellgut statt Roggen wird das Brot noch milder und heller. Wer es kräftiger mag, ersetzt 50 g Weizenmehl im Hauptteig durch Roggenvollkornmehl. Nach dem Formen kann der Laib auch 8 bis 12 Stunden abgedeckt im Kühlschrank reifen und wird direkt aus der Kälte gebacken.

Nährwerte

Portion: 1gKalorien: 118kcalKohlenhydrate: 24gEiweiß: 3gNatrium: 246mgBallaststoffe: 1g
Gericht: Backware, Brot
Küche: Europäisch, Osteuropäisch
Ernährungsform: Laktosefrei, Vegan, Vegetarisch, Zuckerfrei
Schlagwort: Aus dem Ofen, Brot und Brötchen, Ganzjahresrezepte, gebacken, hausgemacht, knusprig, Ohne Hefe, osteuropäisch, traditionell, vegan

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📌 Für wen ist dieses Rezept ideal? Für alle, die schon ein lebendiges Anstellgut im Kühlschrank haben und den Schritt vom Anfängerbrot zum kontrolliert geführten Laib machen möchten. Der Aufwand pro Stufe ist gering — zusammenrühren, abdecken, warten —, aber der Zeitplan verlangt Planung: Stufe eins läuft über Nacht, Stufe zwei und der Hauptteig füllen den Vormittag, gebacken wird am Nachmittag. Wer regelmäßig Brot für die ganze Woche backt, bekommt hier einen alltagstauglichen Laib, der sich für Frühstück, Brotzeit und Suppe gleichermaßen eignet. Auch für Haushalte ohne Hefe im Vorrat ist das Rezept interessant, denn es kommt vollständig ohne Backhefe aus und ist zugleich vegan.

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