Sardische Käsetörtchen mit Ricotta und Zitrone (Pardulas)

Sardisches Ostergebäck

Über das Ergebnis entscheiden zwei Millimeter Teigdicke und eine Nacht, in der die Ricotta im Sieb steht.

27. Juli 2026
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Sardische Käsetörtchen mit Ricotta und Zitrone (Pardulas)

Geformt wird der Rand allein mit den Fingern: ringsum hochgezogen und in etwa zwölf Falten gelegt, jede fest zwischen Daumen und Zeigefinger gedrückt. Aus dem Ofen kommt dann eine kleine Sonne — die Zacken hell und matt, die Ricottafüllung in der Mitte je nach Backdauer cremegelb bis goldorange.


Pardulas gehören zu den wenigen Gebäcken, bei denen die Form mehr Arbeit macht als die Füllung. Ein dünn ausgerollter Hartweizenteig, ein Löffel Ricotta mit Zitronenschale und Safran, ein Rand, der ringsum in Zacken hochgekniffen wird — viel mehr steckt nicht dahinter. Trotzdem trennt sich hier sehr schnell das gelungene Törtchen vom misslungenen: Der Rand reißt auf, die Füllung läuft über, die Zacken fallen in sich zusammen. Diese Fehler haben nichts mit Backtalent zu tun, sondern mit zwei Entscheidungen, die lange vor dem Ofen fallen.


Der Rand macht das Törtchen — und verzeiht keinen zu dicken Teig

Der Teig wird so dünn ausgerollt, dass die Arbeitsfläche darunter noch zu erahnen ist: 2 mm (0,08 in), nicht mehr. Daraus werden Kreise von Ø 12 cm (4¾ in) ausgestochen, mit einem Glas, einer kleinen Schale oder einem Ausstechring. In die Mitte kommt ein gehäufter Esslöffel Füllung, und dann folgt der eigentliche Handgriff: Der Rand wird ringsum hochgezogen und in etwa zwölf Zacken gekniffen. Jede Falte wird zwischen Daumen und Zeigefinger fest zusammengedrückt und dabei leicht nach innen gelegt, sodass sie sich an die Füllung anlehnt, statt nach außen zu kippen.

Wer den Teig dicker ausrollt, bekommt beim Backen Risse. Die dicke Falte trocknet außen schneller als innen, spannt und platzt genau an der Kniffstelle auf. Ist der Teig dagegen zu weich und zu nass geknetet, fehlt ihm die Standfestigkeit: Die Zacken sacken schon auf dem Blech in sich zusammen, lange bevor die Hitze sie fixieren kann. Auf den Bildern zu diesem Rezept ist gut zu erkennen, wie es aussehen soll: Der Rand bleibt hell und matt, die Falten sind auch von der Seite als klare Kanten sichtbar, und Farbe nimmt der Teig nur dort an, wo er die Füllung berührt — am inneren Fuß des Randes und in den Kerben zwischen den Falten sitzen rotbraune Flecken und Streifen. Die Zackenspitzen selbst bleiben blass. Beim helleren Törtchen steht der Rand dabei fast senkrecht, beim kräftiger gebackenen legt er sich als welliger Kragen etwas nach außen; beides ist richtig, solange die Falten ihre Kanten behalten und nicht flach auf das Blech sinken.

Praktisch bedeutet das: immer nur so viele Kreise ausstechen, wie sich in wenigen Minuten füllen lassen. Der Rest bleibt unter einem Tuch. Angetrockneter Teig lässt sich nicht mehr sauber kneifen, er bricht an genau der Stelle, an der er halten soll.

Blick von oben auf ein rundes Holzbrett mit zwei sardischen Käsetörtchen: eines mit heller, gewundener und nur stellenweise gebräunter Oberfläche, eines kräftig goldorange gebacken, beide mit hochgekniffenem Zackenrand aus hellem Teig mit blassen Spitzen und rotbraunen Stellen am inneren Fuß; daneben ein Glas mit dunklem Kaffee, feiner Puderzucker auf dem Holz und weitere Törtchen am oberen Bildrand
Zwei Backstufen nebeneinander: oben die hellere, gewundene Oberfläche, unten das kräftig gebackene Törtchen — dieselbe Füllung, das Goldorange entsteht erst im Ofen; der Zackenrand bleibt in beiden Fällen hell.

Eine Nacht im Sieb: warum die Ricotta trocken sein muss

Ricotta aus dem Becher enthält weit mehr Flüssigkeit, als man ihr ansieht. Wird sie direkt verrührt, verwandelt sich die Füllung im Ofen in eine dünne Creme, kocht auf, drückt den Rand nach außen und läuft an mindestens einer Stelle über. Genau daher stammt das häufigste Bild vom missratenen Pardula: eine flache, ausgelaufene Fläche mit einem aufgeweichten Teigrand.

Deshalb wird die Ricotta über Nacht abgetropft, mindestens zwölf Stunden im Sieb über einer Schüssel im Kühlschrank. Aus 400 g laufen dabei je nach Sorte gut 50 bis 100 ml Molke ab, und was übrig bleibt, ist fest und fast bröckelig genug, um sich mit dem Löffel formen zu lassen, ohne zu fließen. Wie dieses Entwässern im Detail funktioniert, welches Tuch sich dafür eignet und wie weit sich ein Milchprodukt auf diesem Weg eindicken lässt, steht ausführlich im Beitrag Labneh selber machen: mit Kräutern und rosa Pfeffer.

Der Esslöffel Hartweizengrieß in der Füllung ist die zweite Sicherung. Er nimmt die restliche Feuchtigkeit auf, während das Törtchen backt, und gibt der Oberfläche jene leicht sandige, körnige Struktur, die auf den Fotos gut zu sehen ist. Wer die Füllung stattdessen mit Mehl oder Stärke bindet, bekommt eine glattere, aber auch pappigere Masse, die weniger nach Käse und mehr nach Pudding schmeckt.



Safran und Zitrone: ein Faden Farbe, kein Gewürzteppich

Den warmen gelben Grundton bekommt die Füllung nicht vom Eigelb, sondern von einer einzigen Prise Safranfäden. Sie werden in 1 TL warmem Wasser eingeweicht und ziehen dort etwa fünfzehn Minuten, bis das Wasser kräftig gelb ist. Erst dieses gefärbte Wasser kommt in die Masse, nicht die trockenen Fäden — die verteilen sich sonst nur punktuell und hinterlassen orange Sprenkel neben blassem Weiß. Das kräftige Goldorange auf den Fotos ist dagegen keine Safranfarbe, sondern Backfarbe: Direkt an der Teigkante bleibt die Füllung blass cremegelb, und das hellere Törtchen auf demselben Brett trägt dieselbe Masse: Dort hat nur ein Ring auf der gewölbten Mitte kräftig Farbe genommen, während das Domzentrum und der äußere Füllungskragen cremefarben bleiben.

Safran ist hier kein Effekt, sondern die eigentliche Handschrift dieses Gebäcks. Sein Aroma erinnert an warmes Heu und Honig und legt sich als leiser Hintergrund unter die frische Zitrone. Wichtig ist die Zurückhaltung: Eine großzügige Portion macht die Füllung nicht aromatischer, sondern bitter-medizinisch. Eine Prise für 400 g Ricotta ist genau richtig.

Die Zitronenschale muss von einer unbehandelten Frucht stammen, und abgerieben wird nur die gelbe Außenschicht. Sobald die weiße Innenhaut mitkommt, wird die Füllung bitter. Wer statt der Zitrone eine Orange nimmt, bekommt eine mildere, rundere Variante, die auf Sardinien ebenso verbreitet ist — beides zusammen ist dagegen zu viel und verwischt sich gegenseitig.


Warum Hartweizengrieß und nicht einfach Mehl

Der Teig für Pardulas ist mit Pasta näher verwandt als mit Mürbeteig: feiner Hartweizengrieß, Fett, Salz, Wasser — sonst nichts. Diese Mischung wird 8 bis 10 Minuten geknetet, bis sie glatt und elastisch ist und sich vollständig von der Schüssel löst. Danach ruht sie zugedeckt 30 Minuten bei Zimmertemperatur, damit sich der Grieß vollsaugt und sich der Teig ohne Zurückspringen ausrollen lässt.

Der Vorteil dieses Teiges liegt in seiner Standfestigkeit. Er bleibt beim Backen hell, behält die gekniffene Form und bekommt einen festen, leicht rustikalen Biss, der die weiche Füllung braucht. Weizenmehl Type 405 funktioniert ebenfalls und macht den Teig zarter und mürber, aber auch weicher: Die Zacken fallen etwas flacher aus, und der Rand bräunt schneller.

Beim Fett gibt es zwei Wege. Klassisch wird auf Sardinien Schweineschmalz verwendet, das dem Teig einen besonders kurzen Biss gibt. Weiche Butter ergibt dasselbe Ergebnis mit etwas mehr Aroma und hält das Gebäck vegetarisch — deshalb steht sie in diesem Rezept an erster Stelle. Kaltes Fett gehört an dieser Stelle ausdrücklich nicht hinein: Es soll sich vollständig in den Grieß einarbeiten lassen und keine Butterschichten bilden.


Backen bei 180 °C (356 °F): die Füllung stockt, der Rand bleibt hell

Gebacken wird bei 180 °C (356 °F) Ober- und Unterhitze auf der mittleren Schiene, 20 bis 25 Minuten. Mit Umluft genügen 160 °C (320 °F), dann allerdings die Törtchen ab Minute 18 im Blick behalten, weil die Umluft den Rand deutlich schneller austrocknet.

Fertig sind die Törtchen nicht nach der Uhr, sondern nach zwei Merkmalen. Die Füllung ist gestockt, wölbt sich leicht nach oben und wackelt in der Mitte nicht mehr, wenn man das Blech anstößt. Und die Oberfläche hat Farbe genommen: Wie kräftig, ist Geschmackssache. Die Fotos zeigen beide Stufen nebeneinander — ein Törtchen mit heller, nur stellenweise gebräunter Oberfläche und daneben eines, das durchgehend kräftig goldbraun gebacken ist. Beide sind richtig, das dunklere schmeckt eine Spur karamelliger.

Was in keinem Fall passieren soll: ein rundum goldbrauner Rand. Er gehört zu diesem Gebäck hell und matt, und genau deshalb wird nicht mit Ei bestrichen. Färbt sich der Rand vorzeitig, steht das Blech zu weit oben oder der Ofen läuft zu heiß. Ein Blatt Backpapier, locker über die Törtchen gelegt, rettet die letzten Minuten.


Lauwarm servieren, mit Puderzucker und starkem Kaffee

Pardulas schmecken lauwarm am besten, etwa eine halbe Stunde nach dem Backen. Dann ist die Füllung gerade fest genug, um beim Abbeißen nicht auszuweichen, und der Safran kommt deutlicher durch als im kalten Zustand. Direkt aus dem Ofen sind sie noch zu weich, am nächsten Tag deutlich fester.

Der Puderzucker kommt erst kurz vor dem Servieren darüber, und zwar dann, wenn die Oberfläche nicht mehr heiß ist — auf heißem Gebäck schmilzt er binnen Sekunden zu feuchten Flecken. Genau nach dieser halben Stunde — zehn Minuten auf dem Blech, danach auf dem Gitter — ist der richtige Moment erreicht: innen noch lauwarm, oben trocken und kühl genug für den Zucker. Auf den Bildern liegt er als feiner Schleier auf dem Holzbrett und nur hauchdünn auf den Törtchen selbst, und genau so ist es gedacht: eine Andeutung, keine Zuckerdecke.

Dazu passt, was auch auf den Fotos danebensteht: ein kleines Glas sehr dunkler, kräftiger Kaffee, ungesüßt und im Glas statt in der Tasse. Wer es festlicher mag, träufelt je einen Teelöffel warmen Honig über die noch lauwarmen Törtchen, wie es auf Sardinien zu Ostern häufig gemacht wird. Spätestens dann ist der Kaffee kein Beiwerk mehr: Gegen Puderzucker, Honig und die süße Ricottafüllung ist er das einzige Bittere auf dem Tisch, und genau deshalb bleibt er zu diesem Gebäck ungesüßt.

Sardische Käsetörtchen mit Ricotta und Zitrone (Pardulas)
Sardische Käsetörtchen mit Ricotta und Zitrone (Pardulas)

Aufbewahrung

Am Backtag bleiben die Törtchen in einer Blechdose bei kühler Zimmertemperatur am besten in Form; luftdicht verschlossen weicht der Rand auf. Länger als diesen einen Tag sollten sie dort nicht stehen, in einem warmen Raum von vornherein nicht: Die Füllung aus Ricotta und Ei ist leicht verderblich. Danach gehören sie in den Kühlschrank und halten sich dort zugedeckt drei Tage, werden allerdings fester und trockener — vor dem Servieren hilft es, sie 5 Minuten bei 150 °C (302 °F) aufzubacken und wieder lauwarm werden zu lassen.

Einfrieren funktioniert gut, und zwar gebacken und vollständig ausgekühlt. Nebeneinander auf einem Brett vorgefrieren, dann in einen Beutel umfüllen: Bei −18 °C (0 °F) halten sie zwei Monate. Aufgetaut wird bei Zimmertemperatur, danach dieselben 5 Minuten im Ofen. Ungebacken einzufrieren lohnt sich nicht, weil die Füllung beim Auftauen Wasser zieht und der gekniffene Rand seine Spannung verliert.


Häufige Fragen zu sardischen Käsetörtchen

Warum läuft die Füllung sardischer Käsetörtchen beim Backen über den Rand?

Fast immer, weil die Ricotta zu feucht war. Sie muss über Nacht in einem mit Tuch ausgelegten Sieb im Kühlschrank abtropfen, mindestens zwölf Stunden. Der Esslöffel Hartweizengrieß in der Masse bindet die restliche Feuchtigkeit. Ein zweiter Grund kann eine zu große Portion Füllung sein: Ein gehäufter Esslöffel pro Törtchen genügt.

Kann man für sardische Käsetörtchen Quark statt Ricotta verwenden?

Ja, mit einer kleinen Anpassung. Quark ist säuerlicher und feuchter, deshalb sollte er ebenfalls über Nacht abtropfen und im Verhältnis 300 g Quark zu 100 g Ricotta oder Mascarpone gemischt werden, sonst wirkt die Füllung mager und leicht sauer. Die Menge Zucker bleibt gleich.

Wie bleibt der Zackenrand der Pardulas beim Backen stehen?

Der Teig darf höchstens 2 mm (0,08 in) dick sein und muss gut durchgeknetet und 30 Minuten geruht haben. Jede Falte wird zwischen Daumen und Zeigefinger fest zusammengedrückt und leicht nach innen gelegt, damit sie sich an die Füllung anlehnt. Zu dicker Teig reißt auf, zu weicher sackt zusammen.

Kann man sardische Käsetörtchen ohne Safran backen?

Man kann, verliert damit aber den charakteristischen warmen gelben Grundton und das typische Aroma. Als Ersatz eignet sich eine Messerspitze Kurkuma für die Farbe, geschmacklich ist das jedoch etwas anderes. Sinnvoller ist es dann, die Zitronenschale etwas großzügiger zu nehmen und ehrlich eine Zitronenvariante daraus zu machen.

Geht der Teig für sardische Käsetörtchen auch mit Weizenmehl statt Hartweizengrieß?

Ja, Weizenmehl Type 405 funktioniert. Der Teig wird zarter und mürber, dafür weicher: Die Zacken fallen flacher aus und der Rand bräunt schneller. Wer beides verbinden möchte, mischt halb Hartweizengrieß und halb Mehl.

Warum bleibt der Rand der sardischen Käsetörtchen hell und wird nicht goldbraun?

Weil das so gewollt ist. Der Rand wird bewusst nicht mit Ei bestrichen und bei 180 °C (356 °F) nur so lange gebacken, bis die Füllung stockt. Ein heller, matter Rand mit blassen Zackenspitzen, der nur am inneren Fuß und in den Kerben zwischen den Falten braun wird, ist das Erkennungszeichen dieses Gebäcks; ein rundum brauner Rand ist ein Zeichen für zu viel Hitze.

Sind sardische Käsetörtchen (Pardulas) vegetarisch?

In dieser Fassung ja, weil der Teig mit weicher Butter zubereitet wird. Traditionell kommt auf Sardinien häufig Schweineschmalz in den Teig — damit ist das Gebäck nicht mehr vegetarisch. Wer ganz sicher gehen möchte, greift zusätzlich zu einer Ricotta mit mikrobiellem Lab.

Lassen sich sardische Käsetörtchen vorbereiten oder einfrieren?

Beides. Die Ricotta tropft ohnehin über Nacht ab, und auch der Teig kann zugedeckt einen Tag im Kühlschrank warten; vor dem Ausrollen sollte er eine halbe Stunde Zimmertemperatur annehmen. Gebacken und ausgekühlt halten die Törtchen bei −18 °C (0 °F) zwei Monate und werden nach dem Auftauen 5 Minuten bei 150 °C (302 °F) aufgebacken.

Wie viele sardische Käsetörtchen ergibt das Rezept und wie groß werden sie?

Aus den angegebenen Mengen entstehen 12 Stück. Ausgestochen wird mit Ø 12 cm (4¾ in), nach dem Hochkneifen des Randes misst ein fertiges Törtchen etwa Ø 9 cm (3½ in). Aus den Teigresten lässt sich meist noch ein dreizehntes formen.


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Sardische Käsetörtchen mit Ricotta und Zitrone (Pardulas)

Sardische Käsetörtchen mit Ricotta und Zitrone (Pardulas)

Kleine offene Törtchen aus dünn ausgerolltem Hartweizenteig mit einer Füllung aus gut abgetropfter Ricotta, Zucker, Zitronenschale und Safran. Der Rand wird ringsum hochgezogen und in etwa zwölf Zacken gekniffen, sodass eine Sonnenform entsteht. Entscheidend sind zwei Vorbereitungen: Der Teig wird nur 2 mm (0,08 in) dünn ausgerollt, damit die Zacken beim Backen nicht aufreißen, und die Ricotta tropft über Nacht im Sieb ab, damit die Füllung nicht über den Rand läuft. Gebacken wird bei 180 °C (356 °F), bis die Füllung gestockt ist und Farbe genommen hat, während der Rand hell und matt bleibt. Serviert werden die Törtchen lauwarm mit etwas Puderzucker und starkem Kaffee.
Servings 12 Stück
Vorbereitungszeit 40 Minuten
Zubereitungszeit 25 Minuten
Ricotta über Nacht abtropfen lassen, Teigruhe und 30 Minuten Abkühlen vor dem Bestäuben 13 Stunden
Gesamtzeit 14 Stunden 5 Minuten

Kochutensilien

  • feines Sieb mit einem sauberen Tuch ausgelegt, zum Abtropfen der Ricotta über Nacht
  • Schüssel passend unter das Sieb, fängt die Molke auf
  • Nudelholz zum Ausrollen auf 2 mm (0,08 in)
  • Ausstechring, Glas oder kleine Schale Ø 12 cm (4¾ in) für die Teigkreise
  • Backblech etwa 40 × 30 cm (16 × 12 in), mit Backpapier belegt
  • Kuchengitter zum Auskühlen der fertigen Törtchen

Zutaten
  

Für den Teig

  • 250 g Hartweizengrieß (fein; alternativ Weizenmehl Type 405)
  • 40 g Butter (weich; traditionell wird auf Sardinien Schweineschmalz verwendet, dann ist das Gebäck nicht mehr vegetarisch)
  • 1 Prise Salz
  • 110 ml Wasser (lauwarm; nach Bedarf esslöffelweise zugeben)

Für die Füllung

  • 400 g Ricotta (über Nacht im Sieb abgetropft, mindestens 12 Stunden)
  • 80 g Zucker
  • 1 Ei (Größe M; zimmerwarm)
  • 1 Zitrone (unbehandelt; nur die gelbe Schale fein abgerieben)
  • 1 EL Hartweizengrieß (bindet die restliche Feuchtigkeit der Ricotta)
  • 1 Prise Safranfäden (in 1 TL warmem Wasser 15 Minuten eingeweicht)
  • 1 Prise Salz

Zum Servieren

  • 1 EL Puderzucker (zum Bestäuben, erst wenn die Oberfläche nicht mehr heiß ist)
  • 4 EL Honig (optional; etwa 1 TL warm über jedes noch lauwarme Törtchen geträufelt)

Anleitungen
 

FÜLLUNG VORBEREITEN

  • Ein feines Sieb mit einem sauberen Tuch auslegen, die Ricotta hineingeben und das Sieb über eine Schüssel hängen. Zugedeckt über Nacht, mindestens 12 Stunden, im Kühlschrank abtropfen lassen. Je nach Sorte laufen dabei 50 bis 100 ml Molke ab. Die abgetropfte Ricotta ist deutlich fester und lässt sich mit dem Löffel formen, ohne zu fließen.
  • Die Safranfäden in 1 TL warmem Wasser einweichen und etwa 15 Minuten ziehen lassen, bis das Wasser kräftig gelb ist. Nur dieses gefärbte Wasser wird später verwendet, damit sich die Farbe gleichmäßig verteilt.
  • Die abgetropfte Ricotta mit Zucker, Ei, der fein abgeriebenen Zitronenschale, 1 EL Hartweizengrieß, dem Safranwasser und 1 Prise Salz glatt rühren. Die Masse soll dickcremig sein und langsam vom Löffel fallen. Zugedeckt kalt stellen, bis der Teig fertig ist.

TEIG KNETEN UND RUHEN LASSEN

  • 250 g Hartweizengrieß mit 1 Prise Salz mischen und die weiche Butter mit den Fingerspitzen vollständig einarbeiten, bis eine krümelige Masse entsteht. Das Fett soll weich sein und keine Schichten bilden.
  • Das lauwarme Wasser nach und nach zugeben und den Teig 8 bis 10 Minuten kräftig kneten, bis er glatt, elastisch und nicht mehr klebrig ist und sich vollständig von der Schüssel löst. In Frischhaltefolie wickeln und 30 Minuten bei Zimmertemperatur ruhen lassen.

TÖRTCHEN FORMEN

  • Den Teig portionsweise auf wenig Hartweizengrieß 2 mm (0,08 in) dünn ausrollen und Kreise von Ø 12 cm (4¾ in) ausstechen. Immer nur so viele Kreise ausstechen, wie sich in wenigen Minuten füllen lassen, den Rest unter einem Tuch abgedeckt lassen: Angetrockneter Teig bricht beim Kneifen.
  • Je 1 gehäuften Esslöffel Füllung mittig auf einen Kreis setzen und einen Rand von etwa 2 cm (¾ in) frei lassen. Den Rand ringsum hochziehen und in etwa zwölf Zacken kneifen: Jede Falte zwischen Daumen und Zeigefinger fest zusammendrücken und leicht nach innen legen, damit sie sich an die Füllung anlehnt. Die fertigen Törtchen mit Abstand auf das mit Backpapier belegte Blech setzen; nach dem Formen misst ein Törtchen etwa Ø 9 cm (3½ in).

BACKEN UND SERVIEREN

  • Den Ofen auf 180 °C (356 °F) Ober- und Unterhitze vorheizen, bei Umluft genügen 160 °C (320 °F). Die Törtchen auf mittlerer Schiene 20 bis 25 Minuten backen, bis die Füllung gestockt ist, sich leicht wölbt und Farbe genommen hat. Der Rand bleibt dabei hell und matt und wird nicht mit Ei bestrichen; Farbe nimmt er nur dort an, wo der Teig die Füllung berührt, also am inneren Fuß und in den Kerben zwischen den Falten, während die Zackenspitzen blass bleiben. Bei Umluft ab Minute 18 im Auge behalten.
  • Die Törtchen 10 Minuten auf dem Blech anziehen lassen, dann auf ein Gitter setzen und weitere 20 Minuten abkühlen lassen, bis die Oberfläche nach insgesamt etwa einer halben Stunde nicht mehr heiß ist. Erst dann mit Puderzucker bestäuben und noch lauwarm servieren; auf heißer Oberfläche schmilzt der Zucker sofort zu feuchten Flecken. Wer mag, träufelt zusätzlich je 1 TL warmen Honig über jedes Törtchen, für 12 Stück also etwa 4 EL. Dazu passt ein kleines Glas sehr dunkler, kräftiger Kaffee.
    Nahaufnahme eines sardischen Käsetörtchens auf einem runden Holzbrett: heller, matter Teigrand, der sich als welliger Kragen mit blassen Zacken nach außen legt und nur am inneren Fuß rotbraune Stellen zeigt, darin eine goldgelb bis orange gebackene, körnig wirkende Ricottafüllung mit einzelnen dunkleren Stellen; dahinter ein zweites Törtchen mit hellerer, gewundener Oberfläche, ein hochkant angelehntes Törtchen und zwei Gläser mit dunklem Kaffee

Notizen

Die Ricotta muss trocken sein: Der wichtigste Schritt passiert am Vortag. Ricotta über Nacht, mindestens 12 Stunden, in einem mit Tuch ausgelegten Sieb im Kühlschrank abtropfen lassen. Wird sie feucht verarbeitet, kocht die Füllung im Ofen auf, drückt den Rand nach außen und läuft über. Der Esslöffel Hartweizengrieß in der Masse bindet die restliche Feuchtigkeit und gibt der Oberfläche die typische leicht körnige Struktur.
Der Rand macht das Törtchen: Der Teig wird nur 2 mm (0,08 in) dünn ausgerollt. Dickerer Teig spannt beim Backen und reißt genau an den Kniffstellen auf, zu weich gekneteter Teig sackt schon auf dem Blech zusammen. Jede der etwa zwölf Falten fest zwischen Daumen und Zeigefinger drücken und leicht nach innen legen. Der fertige Rand bleibt hell und matt mit blassen Zackenspitzen; rotbraune Stellen zeigen sich nur am inneren Fuß und in den Kerben.
Safran sparsam dosieren: Eine Prise Fäden in 1 TL warmem Wasser einweichen und nur das gefärbte Wasser verwenden. Mehr Safran macht die Füllung nicht aromatischer, sondern bitter. Von der Zitrone nur die gelbe Schale abreiben, die weiße Innenhaut schmeckt bitter. Mit Orangenschale statt Zitrone wird die Füllung milder und runder.
Hartweizengrieß oder Mehl: Der Grießteig bleibt hell, hält die gekniffene Form und hat einen festen Biss. Weizenmehl Type 405 funktioniert ebenfalls, ergibt aber einen zarteren, weicheren Teig mit flacheren Zacken und schnellerer Bräunung.
Vegetarisch: Mit weicher Butter im Teig ist das Gebäck vegetarisch. Die traditionelle sardische Variante mit Schweineschmalz ist es nicht.
Zum Servieren: Die Törtchen nach dem Backen etwa eine halbe Stunde ruhen lassen — 10 Minuten auf dem Blech, danach 20 Minuten auf dem Gitter —, bis die Oberfläche nicht mehr heiß ist, und erst dann mit Puderzucker bestäuben — auf heißer Oberfläche schmilzt er sofort zu feuchten Flecken. Innen sind sie dann noch lauwarm, und genau so schmecken sie am besten. Wer es festlicher mag, träufelt zusätzlich je 1 TL warmen Honig über jedes Törtchen — für die volle Menge von 12 Stück also etwa 4 EL —, wie es auf Sardinien zu Ostern üblich ist.
Aufbewahrung: Am Backtag in einer Blechdose bei kühler Zimmertemperatur aufbewahren, höchstens diesen einen Tag und nicht in warmen Räumen, denn die Füllung aus Ricotta und Ei ist leicht verderblich; luftdicht verschlossen weicht der Rand auf. Danach in den Kühlschrank: dort zugedeckt 3 Tage haltbar, vor dem Servieren 5 Minuten bei 150 °C (302 °F) aufbacken. Gebacken und ausgekühlt halten die Törtchen bei -18 °C (0 °F) zwei Monate; nach dem Auftauen ebenfalls kurz aufbacken. Ungebacken einzufrieren lohnt sich nicht.

Nährwerte

Serving: 1gCalories: 182kcalCarbohydrates: 23gProtein: 5gFat: 7gSodium: 55mgFiber: 1gSugar: 8g
Calories: 182kcal
Gericht: Dessert, Gebäck, süße Backware
Küche: Europäisch, Italienisch, Mediterran, Südeuropäisch
Ernährungsform: Vegetarisch
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📌 Für wen ist dieses Rezept ideal? Für alle, die gern mit den Händen formen und ein Gebäck suchen, das nach Handarbeit aussieht, ohne teures Zubehör zu verlangen. Der Aufwand verteilt sich angenehm: Die Ricotta tropft über Nacht von allein ab, der Teig ist in einer Viertelstunde geknetet, und die eigentliche Arbeit — zwölfmal einen Rand hochkneifen — ist eher meditativ als anstrengend und lässt sich gut zu zweit erledigen. Damit eignen sich die Törtchen für Ostern und für jede Kaffeetafel, an der etwas Selbstgemachtes stehen soll, das nicht schon jeder kennt. Wer italienische Klassiker mag, aber Tiramisu und Cannoli inzwischen zu oft gesehen hat, findet hier eine sardische Spezialität, die im deutschsprachigen Raum kaum bekannt ist. Und weil die Törtchen einzeln portioniert sind, lassen sie sich gut mitnehmen, verschenken oder in kleiner Menge einfrieren.

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