Knusprige italienische Mandelkekse ohne Mehl (Amaretti di Saronno)
Die harte Sorte ist das Original. Sie entsteht nicht im Ofen, sondern in der Stunde davor – und genau diese Stunde steht in kaum einem Rezept.
Amaretti gibt es in zwei Ausführungen, die im Regal nebeneinander liegen und trotzdem verschiedene Gebäcke sind. Die weichen bleiben innen zäh-saftig. Die knusprigen aus Saronno brechen mit einem hörbaren Knacken und halten sich Monate. Beide bestehen aus Mandeln, Zucker und Eiweiß – der Unterschied liegt nicht in der Zutatenliste, sondern in zwei Handgriffen zwischen Rühren und Backen.

Die knusprige und die weiche Sorte sind zwei Gebäcke
Wer in Italien Amaretti kauft, bekommt je nach Region etwas anderes. In Saronno in der Lombardei sind sie trocken, klein und splittrig; sie werden zum Espresso gereicht und über Desserts gebröselt. In Sassello im Piemont sind sie weich und erinnern eher an Marzipan.
Die weiche Variante steht hier bereits als Amaretti Morbidi. Dieses Rezept ist die andere Hälfte der Familie: dieselben drei Zutaten, aber ohne Puderzuckerhülle, dafür mit einer Stunde Antrocknen und einem Ofen, der zum Schluss nur noch trocknet.
Der Unterschied ist auch praktisch. Weiche Amaretti sind nach vier bis fünf Tagen nicht mehr gut. Trockene halten in der Dose zwei Monate und werden dabei nicht schlechter, sondern nur aromatischer.
Eine Stunde Antrocknen entscheidet über das Rissmuster
Die Kugeln kommen nicht sofort in den Ofen. Sie stehen unbedeckt eine Stunde auf dem Blech, und in dieser Stunde entsteht die Oberfläche, die später auf den Fotos zu sehen ist.
Dies lässt sich mit dem Finger prüfen. Frisch geformt bleibt die Masse leicht kleben. Nach einer Stunde ist die Oberfläche matt und fühlt sich trocken an wie dünnes Papier, der Finger hinterlässt keine Spur mehr.
Diese trockene Haut ist starr, der Kern darunter ist es nicht. Im Ofen geht die Masse auf und sprengt die Haut – es entstehen breite Platten, zwischen denen die Kruste tief aufreißt und die hellere Masse darunter sichtbar wird.
Wer die Kugeln sofort backt, bekommt eine glatte, leicht glänzende Kuppel ohne jede Zeichnung – und einen Kern, der später schlechter durchtrocknet.
Der Eischnee trägt das ganze Gebäck
Ohne Mehl, ohne Butter, ohne Backpulver gibt es nur einen Bestandteil, der Struktur liefert: das geschlagene Eiweiß. Deshalb entscheidet sich an der Schüssel mehr als am Ofen.
Der Zucker kommt in drei Portionen dazu, nicht auf einmal. Auf einmal eingerührt drückt er den frisch geschlagenen Schaum zusammen, und die Masse wird flüssig statt formbar.
Fertig ist der Eischnee, wenn er glänzt und beim Anheben des Rührbesens eine Spitze bildet, die stehen bleibt. Kippt die Spitze um, fehlt Zeit. Wirkt die Masse trocken und flockig, war es zu lange – dann lässt sie sich nicht mehr glatt rollen. Schüssel und Besen müssen fettfrei und trocken sein; ein Tropfen Eigelb reicht, damit gar nichts steif wird.
Grob gemahlene Mandeln, nicht nur feine
Für den Biss braucht es zwei Mahlgrade. 140 g fein gemahlene Mandeln binden die Masse und geben die glatte Grundfläche, 60 g grob gemahlene sorgen für die sichtbaren Stückchen, an denen der Zahn hängen bleibt.
Wer ausschließlich fein gemahlene Mandeln nimmt, bekommt ein Gebäck, das eher zerfällt als bricht. Fertig gemahlene Mandeln aus der Packung sind fast immer fein – die grobe Hälfte lässt sich in wenigen Sekunden selbst schroten, mit ganzen Mandeln und kurzen Impulsen im Zerkleinerer.
Auch der Zucker wird bewusst nicht vollständig aufgelöst. Ein Teil der Kristalle bleibt in der Masse und schmilzt im Ofen zu winzigen glasigen Punkten – das ist der Glanz, den man an der Bruchkante sieht.
Aus der Menge werden zwei Bleche, nicht eins
Das ist der Punkt, an dem viele Rezepte falsche Erwartungen wecken. Eine Kugel von 12 g misst roh etwa 2,5 bis 3 cm (1 bis 1⅛ in) und wird im Ofen gut 4,4 cm (1¾ in) breit.
Bei 4 cm (1⅝ in) Abstand von Rand zu Rand liegen die Mitten 6,7 cm (2⅝ in) auseinander. Nach dem Backen bleiben zwischen zwei Keksen also gut 2 cm (¾ in) Luft – gerade genug, dass sie sich nicht berühren.
Auf ein Blech von 30 × 40 cm (12 × 16 in) passen so vier Reihen zu fünf Stück, also 20 Kekse. Die Menge ergibt rund 40 Stück und damit zwei volle Bleche, die gemeinsam in den Ofen gehen. Wer alle Kugeln auf ein einziges Blech setzt, holt eine zusammengebackene Platte heraus.
Der Ofen arbeitet weiter, wenn er aus ist
Gebacken wird bei milden 135 °C Umluft, und zwar beide Bleche gleichzeitig auf zwei Schienen. Das ist kein Kompromiss, sondern der einfachere Weg: So kommen alle Kugeln nach genau einer Stunde Antrocknen in den Ofen, und keine wartet auf der Arbeitsplatte weiter.
Nach 35 bis 40 Minuten wird der Ofen ausgeschaltet, die Tür einen Spalt geöffnet, und beide Bleche bleiben weitere 30 Minuten darin. Diese halbe Stunde ist kein Zierschritt: Bei höherer Hitze wäre die Oberfläche längst braun, bevor der Kern trocken ist – und ein Amaretto mit feuchtem Kern wird beim Lagern zäh statt knusprig.
Wer nur mit Ober-/Unterhitze backt, arbeitet nacheinander und lässt den Ofen dabei an: das erste Blech bei 150 °C 30 bis 35 Minuten backen, herausnehmen, sofort das zweite hineinschieben. Danach das erste Blech zurückstellen, den Ofen auf 100 °C herunterschalten und beide zusammen 30 Minuten bei leicht geöffneter Tür trocknen lassen. (Ein ausgeschalteter Ofen reicht hier nicht, da das abgekühlte erste Blech die Restwärme schlucken würde.)
Woran sich das Ende erkennen lässt: Ein abgekühlter Keks bricht mit einem kurzen Knacken, die Bruchfläche ist hell und gleichmäßig porös, ohne dunklen, dichten Kern. Am warmen Keks lässt sich das nicht beurteilen: Frisch aus dem Ofen sind alle Amaretti weich.
Zum Espresso, ins Dessert, in die Dose
Trockene Amaretti sind in Italien weniger Keks als Zutat. Zerbröselt kommen sie über Panna Cotta, in Mascarponecreme, in gefüllte Pfirsiche oder als knusprige Schicht unter eine Fruchtcreme – überall dort, wo etwas Sprödes gegen etwas Weiches gebraucht wird.
Klassisch werden sie zum Espresso gereicht oder kurz in ein Glas Dessertwein getunkt. Ein trockener Amaretto saugt sich dabei voll, ohne sofort auseinanderzufallen; ein weicher zerfällt im Glas.
Und weil sie zwei Monate halten, lohnt sich hier ausnahmsweise die große Menge. In einer schlichten Dose mit Band sind sie ein Mitbringsel, das nicht am selben Abend gegessen werden muss.

Aufbewahrung
In einer gut schließenden Dose bei Zimmertemperatur halten sich die Kekse zwei Monate. Wichtig ist nur, dass sie vollständig ausgekühlt sind – Restwärme wird in der Dose zu Feuchtigkeit, und die macht sie innerhalb eines Tages weich.
Anders als bei weichem Gebäck darf kein Apfelstück und kein Stück Brot mit in die Dose. Beides gibt Feuchtigkeit ab und ruiniert genau das, wofür 35 Minuten Backzeit und eine halbe Stunde Nachtrocknen aufgewendet wurden.
Sollten sie doch einmal weich geworden sein: 10 Minuten bei 135 °C in den Ofen, danach wieder vollständig auskühlen lassen. Sie werden erneut knusprig.
Häufige Fragen zu Amaretti di Saronno
Warum werden meine Amaretti di Saronno nicht knusprig, sondern zäh?
Meist fehlt das Nachtrocknen. Nach den 30 bis 35 Minuten Backzeit bleiben die Kekse noch eine halbe Stunde im ausgeschalteten Ofen bei leicht geöffneter Tür. Wurden sie danach noch warm in die Dose gelegt, zieht die Restwärme als Feuchtigkeit zurück ins Gebäck.
Warum reißt die Oberfläche meiner Amaretti di Saronno nicht auf?
Dann standen die Kugeln vor dem Backen nicht lange genug offen. Erst wenn sich die Oberfläche nach etwa einer Stunde matt und trocken anfühlt und am Finger nichts mehr kleben bleibt, reißt die Kruste im Ofen zum typischen groben Muster auf.
Kann man Amaretti di Saronno ohne Bittermandelaroma backen?
Ja, dann schmecken sie milder und deutlich weniger typisch – der Name kommt von der bitteren Mandel. Als Ersatz passt etwas abgeriebene Zitronenschale, die die Süße bricht, den herben Ton aber nicht ersetzt.
Sind Amaretti di Saronno glutenfrei?
Ja, im Teig steckt kein Mehl, sondern nur Mandeln, Zucker und Eiweiß. Wer empfindlich reagiert, achtet auf gemahlene Mandeln ohne Hinweis auf Spuren von Getreide, weil manche Mühlen auch Getreide verarbeiten.
Wie lange halten sich Amaretti di Saronno?
In einer gut schließenden Dose bei Zimmertemperatur zwei Monate. Sie werden dabei nicht schlechter, sondern nur aromatischer. Wichtig ist nur, kein Apfelstück und kein Brot dazuzulegen – beides gibt Feuchtigkeit ab und macht sie weich.
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Knusprige italienische Mandelkekse ohne Mehl (Amaretti di Saronno)
Kochutensilien
- Rührschüssel (fettfrei und trocken)
- Handrührgerät
- Teigschaber
- Backbleche (2 Stück, 30 × 40 cm / 12 × 16 in, mit Backpapier)
Zutaten
Für die Amaretti
- 140 g Mandeln (fein gemahlen)
- 60 g Mandeln (grob gemahlen; für den Biss)
- 200 g Zucker
- 2 Eiweiß (Größe M; zimmerwarm)
- 1 TL Bittermandelaroma (oder 2 Tropfen Bittermandelöl)
- 1 Prise Salz
Anleitungen
MASSE ANRÜHREN
- Die Eiweiße mit dem Salz steif schlagen. Den Zucker dabei in drei Portionen einrieseln lassen und so lange weiterschlagen, bis die Masse glänzt und beim Anheben des Rührbesens eine stehende Spitze bildet.
- Beide Mandelsorten und das Bittermandelaroma mit einem Teigschaber unterheben, nicht rühren. Es entsteht eine feste, leicht klebrige Masse, die sich zu Kugeln rollen lässt.
FORMEN UND ANTROCKNEN
- Aus der Masse etwa 40 Kugeln von je rund 12 g formen, das sind Ø 2,5 bis 3 cm (1 bis 1⅛ in). Auf zwei mit Backpapier belegte Bleche von 30 × 40 cm (12 × 16 in) setzen, je Blech 20 Stück in vier Reihen zu fünf, mit 4 cm (1⅝ in) Abstand von Rand zu Rand.
- Die Bleche unbedeckt 1 Stunde bei Zimmertemperatur stehen lassen. Die Oberfläche wird matt und fühlt sich trocken an, am Finger bleibt nichts mehr kleben. Erst dann reißt die Kruste im Ofen zum typischen groben Muster auf.
BACKEN UND NACHTROCKNEN
- Den Ofen auf 135 °C (275 °F) Umluft vorheizen. Beide Bleche gleichzeitig in das untere und das mittlere Drittel schieben und 35 bis 40 Minuten backen, bis die Kekse hellgolden sind und die Kruste weit aufgerissen ist. Nach der Hälfte der Zeit die Bleche tauschen.
- Den Ofen ausschalten, die Tür einen Spalt öffnen und beide Bleche weitere 30 Minuten darin trocknen lassen. Anschließend die Kekse auf Gittern vollständig auskühlen lassen.
- Erst im kalten Zustand zeigt sich der richtige Biss: Ein Keks bricht mit einem kurzen Knacken, die Bruchfläche ist hell und gleichmäßig porös. Ist der Kern noch feucht und zäh, die Kekse weitere 10 Minuten bei 135 °C (275 °F) nachbacken und wieder vollständig auskühlen lassen.

Notizen
- Die Stunde Antrocknen nicht überspringen. Sie bringt die typisch weit aufgerissene Kruste; eine Puderzuckerhülle braucht diese Sorte nicht.
- Grob gemahlene Mandeln lassen sich in wenigen Sekunden selbst herstellen: ganze Mandeln in kurzen Impulsen im Zerkleinerer schroten.
- Aus der Menge werden zwei volle Bleche, die gemeinsam gebacken werden. Werden alle Kugeln auf ein einziges Blech gesetzt, backen die Kekse zu einer Platte zusammen.
- Ohne Umluft nacheinander backen und den Ofen dabei anlassen: erst das eine Blech bei 150 °C (302 °F) Ober-/Unterhitze 30 bis 35 Minuten, herausnehmen, sofort das zweite hinein. Danach das erste Blech zurückstellen, den Ofen auf 100 °C (210 °F) herunterschalten und beide zusammen 30 Minuten bei leicht geöffneter Tür trocknen lassen.
- Warm sind alle Amaretti weich. Die Probe auf den Biss gelingt erst am vollständig abgekühlten Keks.
Nährwerte
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