Spanischer Milchpudding mit Schokoraspeln im Glas (Natillas)
Vier Eigelb, ein Löffel Stärke und genau eine Minute Blubbern. Diese eine Minute ist der Unterschied zwischen einer Creme, die am nächsten Morgen noch gewölbt im Glas steht, und einer, die über Nacht wieder dünn geworden ist.
Spanischer Milchpudding, in Spanien Natillas genannt, ist eine Creme aus Milch und Eigelb, die heiß noch weich vom Teigschaber in die Gläser gleitet und im Kühlschrank zu einem dicht stehenden Pudding wird. Aromatisiert wird sie nicht mit Vanille, sondern mit einem Streifen Zitronenschale und einer Zimtstange. Sie wird nicht gebacken, nicht mit Gelatine stabilisiert und nicht mit Sahne beschwert. Sie hält allein durch Eigelb und ein wenig Speisestärke zusammen – und genau diese Stärke dreht die bekannteste Regel für Eiercremes um.

Die eine Minute, die über fest oder wieder flüssig entscheidet
Für eine reine Eigelbcreme ohne Bindemittel gilt eine harte Grenze: Ab etwa 85 °C ziehen sich die Eiweißanteile im Dotter zusammen, drücken Flüssigkeit heraus, und aus der glatten Creme wird eine körnige Masse mit dünner Molke darunter. Wer so arbeitet, braucht ein Thermometer und nimmt bei 82 bis 84 °C vom Herd.
Sobald aber Speisestärke im Ansatz ist – und in diesem Rezept sind es 20 g –, gilt die umgekehrte Regel: Die Creme muss einmal kurz kochen. Dafür gibt es zwei Gründe, und beide zeigen sich erst im Kühlschrank. Maisstärke beginnt ab etwa 65 °C zu quellen, ihre volle Bindekraft erreicht sie aber erst knapp unter dem Siedepunkt. Und Eigelb bringt ein stärkeabbauendes Enzym mit, das bei 84 °C munter weiterarbeitet und erst beim Kochen zerstört wird. Wer die Creme also brav bei 84 °C vom Herd zieht, hat abends einen schön dicken Pudding im Glas – und morgens eine dünne, wässrige Creme, weil das Enzym die Bindung über Nacht wieder aufgelöst hat.
Deshalb steht in diesem Rezept keine Zieltemperatur, sondern eine Zieldauer: eine Minute leises Blubbern unter kräftigem Rühren, gut 95 °C. Und nein, dabei gerinnt nichts. Die Stärke legt sich schützend um die Eigelbteilchen und verhindert genau das Zusammenklumpen, vor dem die 85-Grad-Regel warnt. Länger als eine Minute muss es nicht sein, sonst wird die Masse fadenziehend.
Genauso wichtig ist die Hitze darunter und der Schneebesen darin. Mittlere Stufe, niemals volle Leistung – was zu schnell warm wird, setzt am Topfboden an und schmeckt danach leicht verbrannt. Und gerührt wird nicht kreisend in der Mitte, sondern in liegenden Achten bis in die Kante zwischen Topfwand und Boden. Genau dort wird die Creme zuerst fest, und genau dort entstehen die Fädchen, die sich später nur noch mit dem Sieb wegfangen lassen.
Woran Sie erkennen, dass es reicht: Die Masse ist deutlich dicker geworden, große Blasen arbeiten sich schwer an die Oberfläche und platzen dort träge. Vom Herd genommen lässt sich die Creme nicht mehr gießen, sondern nur noch streichen – das ist der Zustand, aus dem im Glas eine gewölbte Oberfläche wird.
Warum ein wenig Stärke hier ehrlicher ist als Mut
Die klassische Fassung ist eine reine Eigelbcreme, ganz ohne Bindemittel. Sie schmeckt wunderbar, verzeiht aber nichts: Ein Moment Unaufmerksamkeit, ein zu heißer Herd, und die Creme ist flockig. In diesem Rezept kommen deshalb 20 g Speisestärke dazu, und das ist keine Schummelei, sondern eine bewusste Entscheidung für ein sicheres Ergebnis.
Die Stärke legt sich wie ein Polster zwischen die Eigelbteilchen und verhindert, dass diese zusammenklumpen. Damit fällt die Gerinnungsgrenze als Sorge komplett weg: Die Creme darf kochen, und sie soll es sogar. Wer selten mit Eiercremes arbeitet, tauscht also ein enges Temperaturfenster gegen eine Regel, die man nicht verpassen kann – einmal aufkochen, eine Minute blubbern, fertig.
Der Unterschied schmeckt man kaum, man sieht ihn: Die reine Eigelbcreme fließt beim Löffeln nach und liegt flach im Glas, die Fassung mit Stärke steht so dicht, dass sie randvoll eingefüllt eine gewölbte Oberfläche hält – genau die Kuppe, die auf den Fotos über den Glasrändern steht. Wichtig ist nur, die Stärke in den kalten Eigelbansatz zu rühren, niemals in die heiße Milch. Dort zieht sie augenblicklich Klümpchen, die kein Schneebesen mehr auflöst.
Zitronenschale und Zimt statt Vanille
Das Aroma ist das, was Natillas von jeder deutschen Vanillecreme unterscheidet. Es kommt aus einem einzigen breiten Streifen Zitronenschale und einer ganzen Zimtstange, die zusammen mit der Milch heiß werden und dann abgedeckt ziehen. Erst nach dem Ziehen wird abgeseiht.
Beim Abschälen der Zitrone zählt jeder Millimeter: Nur das gelbe Äußere darf mit, das weiße Innere schmeckt bitter und gibt diese Bitterkeit während des Ziehens vollständig an die Milch ab. Die Frucht sollte unbehandelt sein und vorher warm abgewaschen werden, denn die Schale bleibt eine Viertelstunde in der heißen Milch liegen.
Der Zimt gehört als Stange in den Topf, nicht als Pulver. Gemahlener Zimt löst sich nicht, sondern trübt die Creme grau-braun und legt sich als feiner Sand auf die Zunge. Die Stange dagegen gibt ihr warmes, leicht harziges Aroma an die Milch ab und verschwindet anschließend im Sieb – sichtbar bleibt nichts, schmeckbar alles.
Temperieren: der Handgriff, den die meisten überspringen
Die heiße Milch darf nicht in einem Schwung zum Eigelb. Sie wird zunächst nur zu einem Drittel in dünnem Strahl eingerührt, während der Schneebesen ununterbrochen läuft. Erst wenn der Ansatz warm ist, kommt alles zurück in den Topf. Wer diesen Zwischenschritt überspringt, hat sofort kleine gestockte Fäden in der Masse – die berühmten Eiflocken, die sich später nur mit dem Sieb kaschieren lassen.
Genauso wichtig ist, was vorher passiert: Eigelb, Zucker und Stärke werden nur glatt gerührt, nicht schaumig geschlagen. Luft in der Masse ist hier ein Nachteil. Der Schaum verdeckt beim Binden, wie dick die Creme tatsächlich schon ist, und hinterlässt auf der Oberfläche kleine Bläschen, die nach dem Kühlen bleiben.
Und ein Hinweis, der sich mit dem Aufkochen nicht widerspricht: Beim Temperieren ist das Eigelb noch ungeschützt, weil die Stärke erst quellen muss. Deshalb gilt hier tatsächlich Vorsicht, während zehn Minuten später im Topf kräftig geblubbert werden darf. Die Reihenfolge ist der ganze Unterschied.
Sieb, randvolle Gläser und die Folie
Die fertige Creme wandert sofort vom Herd und sofort durch ein feines Sieb in die Gläser. Gegossen wird dabei nichts mehr – nach dem Aufkochen ist die Masse so dick, dass sie mit dem Teigschaber durch das Sieb gestrichen werden muss. Das Sieb fängt ab, was trotz aller Sorgfalt gestockt ist, dazu Zimtsplitter und die letzten Schalenreste.
Und dann eine Zahl, die Sie vorher wissen sollten: Aus 500 ml Milch werden mit Eigelb, Zucker und Stärke rund 600 ml Creme. Vier Gläser zu je etwa 150 ml sind damit bis an den Rand gefüllt, mit null Reserve. Das ist kein Rechenfehler, sondern genau der Zustand auf den Fotos – weil die Creme dick ist, läuft sie nicht über, sondern steht als flache Kuppe leicht über dem Glasrand. Füllen Sie deshalb zügig und gleichmäßig ein und behalten Sie die vierte Portion im Auge. Wer eine Handbreit Reserve möchte, nimmt Gläser mit 180 bis 200 ml.
Dann kommt die Frischhaltefolie direkt auf die Cremeoberfläche. Eine Haut entsteht dort, wo warme Milchcreme auf Luft trifft; liegt die Folie auf, gibt es keine Luft und damit keine Haut. Bei randvollen Gläsern liegt sie dabei zwangsläufig gleichzeitig auf der Creme und über dem Glasrand – das ist richtig so, denn entscheidend ist nur, dass kein Luftspalt bleibt. Zeltförmig darüber gespannt sammelt sich stattdessen Kondenswasser und tropft zurück. Die Kuppe wird von der Folie eine Spur flacher gedrückt; abgezogen wird sie später langsam in einem Zug, dann bleibt die Oberfläche glatt.
Mindestens drei Stunden Kühlzeit sind Pflicht, über Nacht ist besser. In dieser Zeit passiert das Eigentliche: Die Creme geht aus weich in dicht-cremig über. Wer nach einer Stunde nachsieht und die Konsistenz beurteilt, beurteilt ein anderes Dessert.

Die Schokolade: mittelgrobe Späne, und sehr sparsam
Hier wird oft zu viel und zu fein gearbeitet. Auf den Fotos liegen keine feinen Raspel, sondern mittelgrobe Späne und einzelne Locken, wie sie der Sparschäler von der Tafel zieht. Sie liegen locker gehäuft in der Mitte, bedecken zusammen nur etwa ein Drittel der Fläche, und der äußere Ring der Creme bleibt blassgelb frei. Insgesamt sind das rund 5 g für alle vier Gläser, also gut 1 g pro Glas – ein daumengroßes Stück von der Tafel reicht.
Warum so wenig? Rechnen Sie kurz mit: 5 g Schokolade auf ein einzelnes Glas ergeben auf der etwa 6 cm breiten Fläche eine über einen Millimeter dicke, geschlossene Decke. Die Creme verschwindet darunter vollständig, und der erste Löffel holt nur Schokolade. Die knappe Streuung ist also keine Sparsamkeit, sondern der Grund, warum man auf den Fotos noch Pudding sieht.
Entscheidend bleibt der Zeitpunkt: Die Späne gehören auf die vollständig durchgekühlte, feste Creme, unmittelbar vor dem Servieren – niemals vor dem Kühlen. Auf noch warmer Creme schmilzt die Schokolade und verläuft zu einem fleckigen Film; über Stunden im Kühlschrank zieht sie Feuchtigkeit und wird stumpf und grau. Wer die Gläser am Vortag zubereitet, lässt die Tafel bis zum Aufdecken einfach liegen – das Abziehen dauert keine zwei Minuten.
Dass jeder Span nach wenigen Minuten von einer feinen braunen Schliere umgeben ist, gehört dazu und ist kein Fehler: Die kalte Oberfläche ist leicht feucht, und der Kakao färbt dort minimal aus. Auf den Fotos sieht man diese Schlieren deutlich, und sie machen die Streuung erst lebendig.
Zartbitter statt Vollmilch ist ebenfalls kein Zufall. Die Creme selbst ist mild und deutlich süß, dazu kommt der warme Zimt. Eine herbe Schokolade mit hohem Kakaoanteil setzt dagegen einen klaren Gegenpol; Vollmilchschokolade verschwindet geschmacklich einfach in der Süße.
Vorbereiten, aufbewahren, servieren
Kaum ein Dessert lässt sich so entspannt vorziehen. Abgedeckt und mit Folie auf der Oberfläche halten die Gläser zwei Tage im Kühlschrank, ohne an Konsistenz zu verlieren – und das liegt an der einen Minute Blubbern am Herd. Ohne sie wäre die Creme nach dem ersten Tag deutlich dünner. Die Schokolade bleibt bis zum Schluss in der Schublade und wird erst am Tisch darüber abgezogen.
Einfrieren funktioniert nicht. Beim Auftauen trennt sich die gebundene Creme in eine feste und eine wässrige Schicht, und zusammenrühren lässt sich das nicht mehr. Wer auf Vorrat arbeiten möchte, kocht lieber zweimal frisch – der Aufwand liegt ohnehin bei einer guten halben Stunde am Herd.
Serviert wird kalt, aber nicht eiskalt. Zehn bis fünfzehn Minuten vor dem Essen aus dem Kühlschrank genommen, treten Zitrone und Zimt deutlich hervor; direkt aus der Kälte schmeckt vor allem die Süße. Kleine bauchige Gläser mit etwa 150 ml Inhalt sind die richtige Größe: genug für einen runden Abschluss nach einem vollen Menü, wenig genug, dass niemand nach der Hälfte aufgibt – und randvoll gefüllt sehen sie genau so aus wie auf den Fotos.
Häufige Fragen zum spanischen Milchpudding
Darf spanischer Milchpudding kochen?
In dieser Fassung mit 20 g Speisestärke muss er es sogar – genau eine Minute leises Blubbern bei kräftigem Rühren, gut 95 °C. Maisstärke bindet erst knapp unter dem Siedepunkt vollständig, und das Eigelb bringt ein stärkeabbauendes Enzym mit, das nur beim Kochen zerstört wird; sonst ist die Creme am nächsten Morgen wieder dünn. Die Stärke schützt dabei das Eigelb, es gerinnt also nicht. Nur die klassische, stärkefreie Eigelbcreme darf niemals kochen: Sie muss bei 82 bis 84 °C vom Herd, weil das Eigelb ab etwa 85 °C gerinnt.
Kann man spanischen Milchpudding mit ganzen Eiern statt nur mit Eigelb zubereiten?
Besser nicht. Eiklar stockt schon ab etwa 62 °C und damit lange bevor die Creme gebunden ist – es bildet feine weiße Fäden, die sich nur noch wegsieben lassen. Wer trotzdem sparen möchte, ersetzt höchstens ein Eigelb durch ein ganzes Ei und rührt dann besonders langsam. Vier Eigelb sind allerdings der Grund, warum die Creme goldgelb aussieht und samtig auf der Zunge liegt.
Der spanische Milchpudding ist flockig geworden – lässt er sich noch retten?
Wenn nur wenige Flöckchen zu sehen sind: ja. Die Creme sofort vom Herd nehmen, kurz kräftig durchschlagen und durch ein feines Sieb in die Gläser streichen – das Sieb hält die Fädchen zurück. Mit Stärke passiert das selten, und wenn, dann in zwei Momenten: beim Temperieren, wenn die heiße Milch zu schnell zum Eigelb kommt, oder in der Kante zwischen Topfwand und Boden, wo der Schneebesen nicht hingekommen ist. Ist die Masse dagegen deutlich geronnen und wässrig, hilft nur ein neuer Ansatz.
Wie viele Gläser ergibt spanischer Milchpudding aus 500 ml Milch?
Vier Gläser zu je etwa 150 ml, und die werden randvoll. Durch Eigelb, Zucker und Stärke kommen rund 130 ml Volumen dazu, dafür verdampft ein wenig Milch und etwas bleibt im Topf und im Sieb – unter dem Strich landen etwa 600 ml Creme in den Gläsern. Bei 4 × 150 ml bleibt damit keine Reserve: Die dicke Creme läuft nicht über, sondern steht als flache Kuppe leicht über dem Rand, so wie auf den Fotos. Wer Reserve möchte, nimmt Gläser mit 180 bis 200 ml. Deutlich größere oder hohe Gefäße lohnen sich nicht, dort kühlt die Creme langsamer durch und braucht statt drei eher fünf Stunden.
Wie lange halten sich Natillas im Kühlschrank?
Zwei Tage, abgedeckt und mit Frischhaltefolie direkt auf der Oberfläche. Einfrieren funktioniert nicht: Beim Auftauen trennt sich die Creme in eine feste und eine wässrige Schicht. Die Schokoraspeln kommen immer erst unmittelbar vor dem Servieren darauf.
Kann man spanischen Milchpudding mit laktosefreier Milch oder Pflanzendrink zubereiten?
Laktosefreie Vollmilch funktioniert eins zu eins, sie schmeckt nur eine Spur süßer. Von den Pflanzendrinks eignet sich Hafer- oder Sojadrink am besten, weil beide genug Eigenkörper haben; Mandel- und Reisdrink liefern eine dünnere Creme. Kokosmilch überdeckt Zitrone und Zimt vollständig.
Warum schmeckt spanischer Milchpudding bitter?
Meist liegt es an der Zitrone: Ist beim Abschälen etwas von der weißen Innenhaut mitgegangen, gibt sie ihre Bitterstoffe während der Ziehzeit vollständig an die heiße Milch ab. Zweiter Verdächtiger ist der Topfboden – dort angesetzte Creme schmeckt leicht verbrannt und färbt die ganze Masse. Auch eine zu lange in der Milch vergessene Zimtstange kann herb werden; eine Viertelstunde reicht völlig.
Passt statt Zartbitterschokolade auch Zimt auf die Natillas?
Ja, gemahlener Zimt ist die schlichtere spanische Variante und passt zum Aroma der Creme. Beides wird auf der feuchten Oberfläche mit der Zeit dunkel und stumpf, deshalb kommt es in jedem Fall erst am Tisch auf die Gläser. Wer beides mag, streut einen Hauch Zimt unter die Schokolade.
Wie fein soll die Schokolade auf den Natillas sein und wie viel braucht man?
Mittelgrob, nicht fein: mit dem Sparschäler von der Tafel abgezogene Späne und einzelne Locken, wie sie auf den Fotos liegen. Die Menge ist knapp – rund 5 g für alle vier Gläser, also gut 1 g pro Glas, locker in die Mitte gehäuft, der äußere Ring bleibt frei. Fein geraspelt und großzügig gestreut entsteht daraus eine geschlossene dunkle Decke, unter der von der Creme nichts mehr zu sehen ist.
Wofür lassen sich die übrig gebliebenen Eiweiße aus dem Natillas-Rezept verwenden?
Vier Eiweiße ergeben Baiser, Amaretti oder eine luftige Zutat für Waffelteig. Roh halten sie sich gut verschlossen drei Tage im Kühlschrank und lassen sich portionsweise einfrieren – aufgetaut schlagen sie sich genauso steif wie frisch.
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Spanischer Milchpudding mit Schokoraspeln im Glas (Natillas)
Kochutensilien
- Topf mit dickem Boden dünne Töpfe werden am Boden zu schnell heiß, dort setzt die Creme zuerst an
- Schneebesen erreicht die Kante zwischen Topfwand und Boden besser als ein Kochlöffel; beim Aufkochen ununterbrochen im Einsatz
- Küchenthermometer für diese Fassung mit Stärke nicht nötig, sie wird bis zum Blubbern gekocht; für die stärkefreie Variante dagegen unverzichtbar, dort sind 82 bis 84 °C die Zielmarke
- feines Sieb einmal zum Abseihen der Milch, einmal beim Einfüllen; die fertige Creme wird mit dem Teigschaber durchgestrichen, nicht gegossen
- Teigschaber um die dicke Creme durch das Sieb und randvoll in die Gläser zu streichen
- 4 kleine Gläser je etwa 150 ml Inhalt; aus 500 ml Milch werden rund 600 ml Creme, die Gläser stehen damit randvoll wie auf den Fotos
- Frischhaltefolie kommt direkt auf die Cremeoberfläche
- Sparschäler für den Streifen Zitronenschale ohne weiße Innenhaut und später für die Schokospäne
Zutaten
Für die Creme
- 500 ml Vollmilch laktosefreie Vollmilch funktioniert eins zu eins
- 4 Eigelb Größe M, zimmerwarm; sie geben der Masse hinter dem Glas das Goldgelb
- 80 g Zucker
- 20 g Speisestärke Maisstärke; kommt in den kalten Eigelbansatz, nie in die heiße Milch. 20 g auf 500 ml ergeben den dicht stehenden Pudding der Fotos
- 1 Streifen unbehandelte Zitronenschale nur das gelbe Äußere, ohne weiße Innenhaut
- 1 Zimtstange ganz; gemahlener Zimt trübt die Creme und wird sandig
- 1 Prise Salz hebt Milch- und Zimtaroma
Zum Servieren
- 5 g Zartbitterschokolade ein etwa daumengroßes Stück reicht für alle vier Gläser; mit dem Sparschäler in mittelgrobe Späne gezogen, etwa 1 g pro Glas, erst unmittelbar vor dem Servieren darüber
Anleitungen
- Milch aromatisieren: Vollmilch mit dem Streifen Zitronenschale, der Zimtstange und der Prise Salz in einen Topf mit dickem Boden geben. Bis zum ersten Aufwallen erhitzen, sofort vom Herd ziehen und zugedeckt 15 Minuten ziehen lassen. In dieser Zeit nimmt die Milch das Aroma auf, ohne einzukochen.
- Eigelbansatz rühren: Eigelb, Zucker und Speisestärke in einer Schüssel mit dem Schneebesen glatt rühren, bis keine Klümpchen mehr zu sehen sind. Nicht schaumig schlagen: Luft hinterlässt Bläschen, die auf der Oberfläche stehen bleiben – auf den Fotos ist sie glatt und porenfrei.
- Abseihen und temperieren: Die Milch durch ein feines Sieb gießen, Zitronenschale und Zimtstange entfernen. Etwa ein Drittel der heißen Milch in dünnem Strahl unter ständigem Rühren zum Eigelbansatz geben, dann die angeglichene Masse zurück in den Topf zur restlichen Milch rühren.
- Binden und eine Minute blubbern lassen: Bei mittlerer Hitze unter ständigem Rühren erwärmen, dabei in liegenden Achten bis in die Kante zwischen Topfwand und Boden rühren. Ab etwa 80 °C wird die Masse sichtbar dicker. Jetzt nicht vom Herd nehmen, sondern weiterrühren, bis die ersten großen Blasen an die Oberfläche kommen, und die Creme dann bei kräftigem Rühren genau 1 Minute leise blubbern lassen (etwa 95 °C). Diese Minute entscheidet über die Konsistenz: Maisstärke bindet erst knapp unter dem Siedepunkt vollständig, und das Eigelb bringt ein stärkeabbauendes Enzym mit, das die Bindung im Kühlschrank sonst wieder auflöst. Die Stärke legt sich schützend um das Eigelb, deshalb gerinnt hier nichts. Danach sofort vom Herd. Länger als eine Minute muss es nicht kochen, sonst wird die Creme fadenziehend.
- Sofort durchs Sieb in die Gläser: Die Creme ist jetzt dick und lässt sich nicht mehr gießen. Sie wird mit dem Teigschaber zügig durch ein feines Sieb gestrichen – das fängt Zimtsplitter und eventuelle Fädchen ab – und auf vier kleine Gläser zu je etwa 150 ml verteilt. Aus 500 ml Milch werden rund 600 ml Creme: Die Gläser werden also randvoll, und die dicke Masse steht dabei leicht gewölbt über dem Rand, genau wie auf den Fotos. Im heißen Topf stehen bleiben darf sie nicht.
- Folie auflegen und kalt stellen: Frischhaltefolie direkt auf die Cremeoberfläche legen. Weil die Gläser randvoll sind, liegt die Folie gleichzeitig auf der Creme und über dem Glasrand – so ist keine Luft dazwischen und es bildet sich keine Haut. Nur zeltförmig über einen Luftspalt gespannt werden darf sie nicht, dort sammelt sich Kondenswasser. Mindestens 3 Stunden kalt stellen, über Nacht ist besser. Zum Servieren die Folie langsam in einem Zug abziehen, dann bleibt die Oberfläche glatt.
- Mit Schokoladenspänen servieren: Von der Tafel mit dem Sparschäler mittelgrobe Späne abziehen, etwa 1 g pro Glas, und locker in die Mitte der kalten Creme streuen – der äußere Ring bleibt blassgelb frei, so sieht es auf den Fotos aus. Mehr sollte es nicht sein: Schon 5 g auf ein einzelnes Glas legen sich als geschlossene dunkle Decke darüber, und der erste Löffel holt dann nur Schokolade. Um jeden Span zieht die feuchte Oberfläche innerhalb weniger Minuten eine feine braune Schliere, das gehört dazu. Geraspelt wird erst unmittelbar vor dem Servieren. Zehn bis fünfzehn Minuten vor dem Essen aus dem Kühlschrank nehmen, dann treten Zitrone und Zimt deutlicher hervor.

Notizen
Nährwerte
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📌 Für wen ist dieses Rezept ideal? Für alle, die ein Dessert brauchen, das schon am Vortag fertig im Kühlschrank steht und trotzdem nach Handarbeit schmeckt. Wer zum ersten Mal eine Eiercreme bindet, braucht hier kein Thermometer: Die Stärke schützt das Eigelb, und die Regel heißt einmal aufkochen, eine Minute blubbern, sofort durchs Sieb.
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